Landrat Reuß: Offensiv an Gefallene erinnern

Fragen und Antworten zum Volkstrauertag: Gedenken an die Kriegstoten

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Gedenken der Gefallenen: Auch im vergangenen Jahr wurde am Volkstrauertag am Ehrenmal ein Kranz niedergelegt. Auf dem Bild sind der Dekan Dr. Martin Arnold (links) und Eschweges Bürgermeister Alexander Heppe zu sehen. 

Werra-Meißner. Am morgigen Sonntag ist Volkstrauertag, an dem an die Kriegstoten erinnert werden soll. In vielen Gemeinden gibt es Gottesdienste und Friedensandachten. Wir klären die wichtigsten Fragen.

Was ist der Volkstrauertag überhaupt?

Der gilt in Deutschland als staatlicher Gedenktag. Erinnert werden soll mit diesem Tag an die Kriegstoten und an die Opfer von Gewaltherrschaften. Überall finden deshalb Gedenkstunden statt, auch im Deutschen Bundestag. So gibt es dort eine Rede des Bundespräsidenten.

Seit wann gibt es den Volkstrauertag?

Seit dem Jahr 1919. Damals ist er vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge vorgeschlagen worden, um der Gefallenen aus dem Ersten Weltkrieg zu gedenken. Drei Jahre später fand dann die erste Gedenkstunde im Reichstag statt.

Wann genau findet der Tag statt?

Dass dieser zwei Sonntage vor dem ersten Adventssonntag begangen wird, gilt erst seit 1952. Zuvor fand er, teilweise unter anderem Namen, schon im Frühjahr statt: am fünften Sonntag vor Ostern. Nachdem 1922 eine erste Gedenkstunde stattgefunden hatte, wurde der erste Volkstrauertag am 1. März 1925 begangen. Ein gesetzlicher Feiertag war er damals nicht, weil die Weimarer Republik zum einen politisch instabil war und es zu keiner Gesetzgebung kam und die katholische sowie evangelische Kirche zudem nicht mit einem Termin in der vorösterlichen Zeit einverstanden waren.

Wieso wird der Tag in rechtsextremen Kreisen Heldengedenktag genannt?

Das hat mit der Zeit des Nationalsozialismus’ zu tun. Die Nationalsozialisten widmeten den Volkstrauertag in einen Heldengedenktag um: Gedacht wurde nicht mehr der Toten, stattdessen wurden die Helden verehrt. Erstmals wurde in dieser Zeit auch der Bezug zur christlichen Zeitrechnung aufgegeben: Fand der Tag bisher immer an einem Tag statt, der sich auf Ostern bezog, wurde der Heldengedenktag 1939 auf den 16. März gelegt (oder den Sonntag davor, sofern der 16. März selbst kein Sonntag war) – das war der Tag, an dem vier Jahre zuvor die Wehrpflicht wiedereingeführt wurde.

Warum wurde der Tag auf die Zeit vor dem ersten Adventssonntag gelegt?

Um ihm zum einen wieder einen christlichen Rahmen zu geben und zum anderen, um sich vom Heldengedenktag abzugrenzen. Beschlossen wurde das aber erst 1952. Die Zeit im November ist deshalb gewählt worden, weil sich die Christen in dieser Zeit generell viel mit den Themen Tod und Trauer beschäftigen.

Hat der Tag heute, 71 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges, an Bedeutung verloren?

Nein, sagt Sieglinde Repp-Jost, Pfarrerin der Marktkirchengemeinde Eschwege. Gerade für die Menschen, die den Krieg noch miterlebt haben, sei der Tag wichtig. „Er hat noch immer eine Bedeutung in den Gottesdiensten.“ Zum einen werde auf die Krisenherde in der heutigen Zeit geschaut, zum anderen geht es aber auch um den Frieden: „Biblische Texte, in denen Jesus um den Frieden bittet, stehen im Vordergrund.“

Auch Landrat Stefan Reuß, zeitgleich Vorsitzender des Kreisverbandes Werra-Meißner des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge, betont, wie wichtig der Tag nach wie vor sei: „Gerade vor dem Hintergrund der aktuellen Kriegsereignisse müssen wir offensiv an die Gefallenen erinnern und darauf aufmerksam machen, welches hohe Gut der Frieden ist.“ Das sei eine wichtige Aufgabe.

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