Forderung nach gerechterer Bezahlung

Kundgebung der Gewerkschaften zum 125. Tag der Arbeit

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Maikundgebung Eschwege 2015

Eschwege. Zum 125. Tag der Arbeit holten auch in Eschwege die Gewerkschaften - und vor allem die Parteien der linken Seite - zum Rundumschlag in ihrer Kritik der aktuellen Politik aus. 

„Auch nach 125 Jahren hat der Kampf der Arbeiter nicht an Wichtigkeit verloren“, betonte Adam Tomcuk, Kreisvorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes, bei der Kundgebung auf dem Obermarkt.

Die Gewerkschaften kämpfen dabei für eine gerechtere Bezahlung von Männern und Frauen im Arbeitsleben. Das fängt beim Thema Mindestlohn an und hört bei der Rente nicht auf. „Jeder vierte Arbeitnehmer von heute wird von seiner Rente nicht leben können“, sagte Renate Müller von der IG Metall, die als Mairednerin eingeladen war.

Am stärksten betroffen seien dabei Frauen, denn sie verdienten im Schnitt 22 Prozent weniger als Männer auf der gleichen Arbeitsstelle. „Die Armut ist weiblich“, hob sie deshalb hervor. Sie forderte ein gleiches Entgelt für Männer und Frauen, einen auskömmlichen Lohn, was die Rente mit einschließt, für die lebenslange Arbeitsleistung und betonte: „Die Politik muss die Arbeitnehmer vor Ausbeutung schützen.“

 Zudem forderte sie höhere Löhne für Berufsgruppen wie Erzieher und Pflegepersonal. „Es kann nicht angehen, dass die Arbeit am Menschen und mit Menschen weniger wert ist, als die Arbeit an Maschinen.“ Auch sollten Arbeiter die Möglichkeit haben, die Arbeitszeit ihrer Lebenssituation anzupassen, sodass Männer und Frauen als gleichberechtigte Partner einen Haushalt führen und Kinder großziehen könnten.

Landrat Stefan Reuß nahm vor allem die Landesregierung zum Ziel seiner Kritik. Sie nötige die Kommunen dazu, neue Steuern und Abgaben zu erheben und zwar bei denen, die ohnehin schon wenig besitzen. Bürgermeister Alexander Heppe rief zum kritischen Nachdenken über die Digitalisierung der Arbeitswelt auf, etwa den Zwang zur ständigen Erreichbarkeit per Mobiltelefon, der krank mache. Er appellierte deshalb an Arbeitgeber, auch auf die Gesundheit ihrer Mitarbeiter zu achten.

 Michael Krämer vom Bündnis „bunt statt braun“ mahnte außerdem, dass rechtsextremistisches Gedankengut in Deutschland nie wieder an Macht und Einfluss gewinnen dürfe, weder in der Politik noch in der Gesellschaft. Dass zum 125. Tag der Arbeit in Eschwege mehr Teilnehmer als in den Vorjahren zur Kundgebung kamen, rechnete Anja Neumann vom DGB Kreisvorsitz als Erfolg, immerhin fanden die Maireden bei 200 bis 300 Zuhörern ein Echo. Viele junge Leute allerdings zogen mit Bollerwagen voller Bier in Richtung Leuchtberg – an den Demonstranten vorbei.

Von Kristin Weber

Maikundgebung Eschwege 2015

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