Geschäftsführer können vom Amtsgericht bestellt werden

Notvorstand ist für Vereine letztes Mittel

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Werra-Meißner.  Immer häufiger gelingt es Vereinen bei ihren gerade derzeit vielfach anstehenden Jahreshauptversammlungen nicht mehr, alle Vorstandsämter zu besetzen. Doch zu große Sorge um ihre Existenz müssen sich die Vereine nicht machen – und auch nicht, dass ein Geschäftsführer vom Amtsgericht bestellt wird, der den Verein zudem noch viel Geld kostet.

Drei Personen reichen aus

Drei Personen sind zum Gründen eines Vereins ausreichend. Soll er im Vereinsregister eingetragen werden, muss er aber mindestens sieben Gründungsmitglieder haben. Der „Idealverein“ ist die häufigste und typische Form eines Vereins. Er ist ein Zusammenschluss, • dem mehrere Personen unter einem Vereinsnamen angehören, • der einen gemeinschaftlichen ideellen Zweck verfolgt, • der einen Vorstand hat, • der als Vereinigung unabhängig von einem Wechsel der Mitglieder besteht und damit körperschaftlich organisiert ist. Tipp: Einen Leitfaden zum Vereinsrecht stellt das Bundesministerium für Justiz zur Verfügung. (sff)

Ein solches Szenario hatte kürzlich die Vorsitzende des Sportvereins Rot-Weiß Hundelshausen entwickelt. Es komme oft vor, dass ein Vorstand nicht vollständig ist, beruhigt Manuela Söhngen. Die Rechtspflegerin am Amtsgericht Eschwege kümmert sich hauptsächlich um das Vereinsregister. „Wichtig ist, dass der Vorstand nach außen noch geschäftsfähig ist“, sagt Söhngen. Zwei Vorstandsmitglieder müssen stets zusammen handeln können, wenn einer in Urlaub oder krank ist, sei der Vorstand nicht handlungsfähig.

Nur wenn der Verein selbst keine Handlungsfähigkeit mehr herstellen kann und niemand befugt ist, eine Mitgliederversammlung einzuberufen, spricht Söhngen von der „ganz großen Ausnahme“: dann müsse sie einen Notvorstand bestellen. In den zurückliegenden acht Jahren sei dies zweimal vorgekommen. In einem Fall sei der letzte Verantwortliche ins Ausland verschwunden, erinnert sich die Rechtspflegerin.

Das Gericht bezahlt den Notvorstand nicht. Ansprüche kann dieser nur gegenüber dem Verein geltend machen. Die bestellte Person soll eine Verbindung zu dem Verein haben. Söhngen: „Es ist wenig sinnvoll, einen völlig Vereinsfremden einzusetzen.“ Sollte gar kein Vorstand mehr gefunden werden, bleibt den Mitgliedern nur das Auflösen ihres Vereins – wie jetzt beim Kulturbund Eschwege, der Ende Juni nach über 100 Jahre aufhört zu existieren. Doch soweit muss es nicht kommen. Gerade verbreitet sich ein neues Modell – offenbar mit Erfolg: der Vorstand ohne Hierarchie.

Von Stefan Forbert

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