„Neue Heimat Eschwege?“: Studierende der Uni Kassel haben Integrations-Projekte erarbeitet

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Eines der zahlreichen bereits bestehenden Angebote: Michael Berger (links) hat in den Räumen des Gemeindehauses der Marktkirche eine Kontaktbörse für Flüchtlinge und Einheimische eingerichtet. 

Eschwege. Sie wünschen sich mehr Kontaktmöglichkeiten im Alltag: die in der Kreisstadt Eschwege untergekommenen Flüchtlinge. Zu diesem Ergebnis sind elf Studierende des Instituts für Sozialwesen der Uni Kassel gekommen.

Zwei Semester lang haben sie sich gemeinsam mit ihrer in Eschwege wohnenden Dozentin Anke Strube mit dem Thema Integration beschäftigt und unter dem Projekttitel „Neue Heimat Eschwege?“ konkrete Analysen für die Kreisstadt erstellt.

Das Besondere an dieser Erhebung: Die Studierenden haben auch die Sichtweise der Geflüchteten mit einbezogen. „Die wird in vielen Integrationskonzepten oft vernachlässigt“, erklärt Strube. Dadurch würden einige Projekte an dem Bedarf vorbeigeplant und seien damit nicht so effektiv. Das war auch das zentrale Ergebnis der Studierenden: „Die Flüchtlinge wünschen sich wesentlich mehr Berührungspunkte mit den Einheimischen im Alltag“, sagt Strube. In Eschwege gebe es zwar bereits zahlreiche Integrationsprojekte – wie etwa die Kontaktbörse der Marktkirche – allerdings seien diese Angebote zeitlich oft sehr knapp bemessen.

Ziel der Analyse war es, die Einschätzung der Integrationschancen aus den Perspektiven der Flüchtlinge, der Einheimischen, der Nachbarschaft und von Profis aus der Sozialarbeit zu ermitteln sowie Einblicke in die Lebensweise Geflüchteter zu geben. Die Studierenden haben dafür seit Mitte April auch in Eschwege vor Ort in Kleingruppen gearbeitet und werden noch einen Abschlussbericht vorlegen.

Ergebnisse präsentiert

Vorgestellt haben die Studierenden ihre Ergebnisse bereits am Mittwochabend bei einer Diskussionsrunde im Rathaus. „Wir wollten das aktiv gestalten und die Gäste mit einbeziehen“, sagt Strube. Deshalb gab es vier Tisch-Arbeitsgruppen, die über mögliche Projektideen gesprochen haben. Herausgekommen sind Ideen zu einem gemeinsamen, intensiven Englisch-Unterricht von einheimischen und geflüchteten Jugendlichen in den Ferien, die Idee eines internationalen Kochstudios, in dem gemeinsam länderspezifisch gekocht werden kann, sowie zwei Angebote für Familien: ein regelmäßiges Familienpicknick sowie die Familientage, an denen ganz unterschiedliche Aktivitäten geplant werden können.

Bezug zur Natur

„Interessanterweise haben viele Flüchtlinge einen besonderen Bezug zur Natur“, sagt Strube. Das sei eines der vielen Ergebnisse, die in die Projektplanung mit einbezogen würden.

Angestoßen hatte die wissenschaftliche Erhebung Erster Stadtrat Reiner Brill: „Die Idee zur Kooperation mit der Uni entstand, weil wir eine neue Begegnungsstätte in Eschwege geplant haben.“ Die ist mittlerweile umgesetzt, am Mittwoch wird das Begegnungscafé im ehemaligen Café Plüsch, Hospitalplatz 1 in Eschwege, eröffnet. Wichtig ist Brill dabei, dass diese Begegnungsstätte als niedrigschwelliges Angebot allen Bürgern offen steht. „Es leben auch etwa 1000 Menschen mit Migrationshintergrund in Eschwege, die sind genauso angesprochen wie die Flüchtlinge und natürlich Einheimische“, sagt Brill.

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