Horseman: Rancher Olaf Gajewski ist der Herr über die Herde

Eschwege. Im Westernreiten ist das Quarterhorse gewissermaßen das Pferd. Deshalb ist die Pferderasse auch die weltweit am meisten verbreitete, denn jeder Reiter, der diese Sportart ernsthaft betreiben möchte braucht dazu ein solches Pferd.

Diese Pferde haben ihren Ursprung in den USA. Nun stellt der amerikanische Quarterhorse-Verband (American Quarterhorse Association) hohe Ansprüche an die Zuchtbetriebe, die er in sein „Ranching Breeders Heritage“ - Programm überhaupt aufnimmt. Die Züchter von Quarterhor-ses in und außerhalb der USA müssen dazu seit zehn Jahren selbst züchten, mit mindestens sechs eigenen Zuchtstuten, und die Zucht muss auf Ranchpferde ausgelegt sein. Ein Teil der Nachzucht muss sodann zurückbehalten und als Gruppe von Arbeitspferden in der Rinderarbeit aktiv eingesetzt werden.

Nicht besonders viele Betriebe in Europa können diese Bedingungen erfüllen - genau genommen zwei. Einer in Frankreich, einer in Deutschland. Und dieser Betrieb liegt in Eschwege. Seit Februar diesen Jahres ist die „Horsemens Residence“ von Olaf Gajewski ein vom amerikanischen Quarterhorse-Verband mit dieser höchsten Auszeichnung anerkannter Zuchtbetrieb.

Seit Mitte der 80er Jahre, als die Westernszene in Deutschland noch überschaubar war, hat Olaf Gajewski, der aus dem Kreis Hersfeld-Rothenburg stammt, seine Liebe zum Westernstil entdeckt und sich darin als Reiter zunächst selbst autodidaktisch weitergebildet. Bei Ausbildern aus den USA belegte der ehemalige Marine-Soldat Kurse und wurde bei einem Lehrgangsaufenthalt auf einer Ranch in Amerika endgültig mit dem Western-Virus infiziert. Mittlerweile bietet der Experte selbst Lehrgänge an, für die er schon längst keine Werbung mehr zu machen braucht. Bis zum Herbst 2012 sind seine Kurse bereits ausgebucht, nur im Oktober und November gibt es noch freie Plätze.

Rinder und Pferde als Einheit

Vor 16 Jahren verschlug es Olaf Gajewski nach Eschwege. Mit drei Pferden kam er in die Kreisstadt und gründete die „Horsemens Residence“ auf einem Hof auf halbem Weg zur Blauen Kuppe. Heute stehen auf der Ranch rund 40 Pferde, die Hälfte davon eigene, Quarterhorses und Shire-Horses, die er mit Lebensgefährtin Heike Ehlers zusammen züchtet, die übrigen sind Pensions- und Einstellerpferde. Darüber hinaus hält er eine 40 Tiere große Herde Hereford-Rinder in ökologischer Landwirtschaft. Das heißt, das ganze Jahr über stehen diese auf der Weide, nur hin und wieder müssen Jungtiere eingefangen werden, etwa um Ohrmarken zu setzen, und dann kommen natürlich die Quarterhorses und das „Rope“ (im Volksmun83837d Lasso genannt) zum Einsatz.

Dennoch, für den Rancher ist die Pferde- und Rinderzucht an der Blauen Kuppe eine Vollzeitaufgabe, die ihn 365 Tage im Jahr an 24 Stunden am Tag einbindet. Sein erster Quarterhorse-Deckhengst ist mittlerweile 20 Jahre alt. Deshalb hat er vor zwei Jahren einen jungen Hengst in den USA gekauft, um die Zucht in Deutschland weiter voranzubringen. Einen Teil der Nachzucht behält der Züchter, die übrigen Pferde werden nach der Grundausbildung verkauft. „Ein Ranchpferd zu kaufen bietet sich für Freizeitreiter an, denn diese Tiere lassen sich durch nichts so schnell aus der Ruhe bringen“, sagt Olaf Gajewski.

Viehhüten vom Sattel aus

Als Arbeitspferderasse sind Quarterhorses in den USA speziell für die Aufgaben in der Viehhaltung gezüchtet worden. „Es sind ruhige, ausgeglichene Tiere, die aber auch schnell lossprinten und spritzig arbeiten können. Außerdem müssen die Tiere über den gewissen ‚Cowsense’ verfügen“, erklärt der Rancher. Das heißt, die Pferde, von Natur aus eigentlich Fluchttiere, müssen für den Umgang und engen Kontakt mit Rindern geschaffen sein. Pferde und Rinder - das gehört im echten Westernreiten untrennbar zusammen. Das Kühehüten ist das Wesen des Westernreitens. Seine Pferde bildet Olaf Gajewski in den Grundlagen der Rinderarbeit selbst aus.

Mit drei Jahren werden die Jungpferde dabei an die Arbeit herangeführt, lernen im Longierzirkel zunächst den nötigen Grundgehorsam, werden an den Sattel gewöhnt und schließlich in den verschiedenen Gangarten geritten. Für die Ausbildung als Arbeitspferd werden die Jungtiere schließlich an die Rinder gewöhnt. Dazu holt Olaf Gajewski fünf bis sechs der Tiere in die Reithalle, wo die Pferde dann lernen, sich den Rindern ohne Angst zu nähern und diese in die richtige Richtung zu treiben oder sie zu drehen - eben sie zu hüten.

„Auch an das Rope müssen die Pferde gewöhnt werden, denn für sie ist es eine unbekannte Erfahrung, dass sich etwas über ihrem Kopf schnell dreht“, erklärt der Ausbilder. Eine Erfahrung, die Pferde normalerweise gerne mal mit einem Fluchtreflex quittieren. Für den „Cowboy“, den Kuhhirten, wäre es allerdings nicht die gewünschte Reaktion seines Reittieres. Er muss sich darauf verlassen können, dass sein Pferd brav neben dem Rind bleibt, während er das Rope wirft.

Ausbildung für Pferd und Reiter

Wie man mit dem Rope umgeht oder sein Westernpferd als Arbeitspferd ausbildet, kann man bei Olaf Gajewski auch in Wochenend-Kursen auf der Ranch lernen, zu denen Reiter ihre eigenen Pferde mitbringen müssen. Zudem können Westernreiter im hauseigenen Shop der Ranch die komplette Ausrüstung kaufen, die man zum Arbeitsreiten braucht. Dazu arbeitet der Shop mit Sattlern aus den USA zusammen, die Qualitätssättel nach Maßanfertigung herstellen. Und nicht zuletzt bietet die Ranch Pferde aus der eigenen Zucht an.

• Info und Kontakt gibt es über die Homepage: www.horsemens-residence.de oder Tel. 05651/2417.

Von Kristin Weber

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