Nach 13 Monaten Wartezeit ist Fohlen Jascha da

Nachwuchs für das Eselduo der Waldorfschule

Eschwege. „Die Kinder meinen, er sollte besser Jumper heißen, weil er so viel springt“, sagt Lilith Schmidt-Gebhardt über den neugeborenen Esel, der auf einer Wiese der Waldorfschule in Eschwege grast. Der fellige Nachwuchs trägt den Namen Jascha, was „Gott möge schützen“ bedeutet. Das passt, so Lehrerin Schmidt-Gebhardt, denn die Geburt des Esels war dramatisch.

Esel an der Waldorfschule haben Verstärkung bekommen

Eselstuten tragen elf bis 13 Monate und Mimi habe diesen Zeitraum voll ausgeschöpft, sagt Lehrerin Schmidt-Gebhardt. Dementsprechend hoch sei die Spannung in den vergangenen Monaten gewesen. Nicht nur die Kinder seien ungeduldiger geworden, auch die Eschweger, die nahe dem Schulgelände spazieren gehen, hätten mitgefiebert. Mit einer der Schulklassen habe man sogar an der Weide für zwei Tage gezeltet, um die Geburt nicht zu verpassen.

Doch erst am 24. August brachte die Eselstute ihren Sohn in Oberriede, wo die Esel in den Sommerferien stehen, ganz allein zur Welt. Das wäre den beiden fast zum Verhängnis geworden, denn bei der Geburt verhedderten sich Mutter und Fohlen im Zaun. Die beiden mussten aber nicht lange ausharren und wurden von Schmidt-Gebhardt und ihren Sohn Fynn entdeckt. Der Zwölfjährige sagt, seine Mutter habe das Eselbaby befreit und er Mimi, die mit einem Hinterbein im Zaun hing. „Zum Glück hatte ich ein Messer dabei und konnte den Zaun durchschneiden.“

Bei der Aktion habe der kleine Hengst auch ein paar Tritte von seiner Mutter abbekommen, die in Panik geraten war. Auch wenn der Nachwuchs keine offensichtlichen Verletzungen hatte, sei er doch schwach gewesen und Mimi habe ihn anfangs nicht gesäugt. Dank des Tierarztes, abgemelkter Milch und viel Liebe, hat sich der Eselhengst jedoch von den Strapazen erholt: „Der ist ziemlich robust“, so Fynn.

Der Siebtklässler hat schon einige Eselfohlen gesehen, doch „um die konnte man sich nicht kümmern oder die streicheln“. Diese Pflege ist auch einer der Gründe, warum es seit über drei Jahren Esel an der Freien Waldorfschule gibt, die am Nachmittag von Erik Puschmann-Eyser betreut werden. Lehrerin Schmidt-Gebhardt erklärt, dass jede Klasse regelmäßige Dienste und die Verantwortung übernimmt. Dann werden Hufe ausgekratzt, das Wasser kontrolliert oder die Esel spazieren geführt.

Die Esel an der Eschweger Waldorfschule sind nicht nur Kuscheltiere und Seelentröster, sondern auch Nutz- und Lasttiere. Mit ihnen und ihren vollbeladenen Packsatteln sei man schon von Oberrieden über Stock und Stein nach Fahrenbach gewandert, etwas was Tieren und Kindern Spaß bereitet habe, sagt Schmidt-Gebhardt. Auch eine Kutsche und einen Schlitten besitzt die Schule. Als nächstes soll ein spezieller Grubber, ein landwirtschaftliches Gerät zur Bodenbearbeitung, angeschafft werden, das die beiden Eselstuten durch den Schulgarten ziehen können. Jascha ist für solche Aufgaben noch viel zu jung. „Und er muss auch noch erzogen werden“, sagt Schmidt-Gebhardt über das übermütige Hengstfohlen, das im Hintergrund schon wilde Sprünge vollführt.

Von Michaela Pflug

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