Staatsminister Michael Roth als Gastprediger

Open-Flair-Gottesdienst: Europa, durch Werte verbunden

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Bekenntnis: Staatsminister Michael Roth hebt das Europa der Vielfalt hervor.

Eschwege. Ab wann gilt man eigentlich als Wirtschaftsflüchtling? Wenn man seine Heimat verlässt, um anderswo Arbeit zu finden? Sind Menschen, die täglich von Eschwege nach Kassel zur Arbeit fahren, nach dieser Definition nicht auch bereits Wirtschaftsflüchtlinge?

In ihrem Sketch stellten sich Pfarrer Ralph Beyer und Pfarrer Gernoth Hübner diese Fragen mit einer gehörigen Prise bissigem Humor. Kabarett in der Kirche - bei einer Kirche im Freien. Wie immer gab der Open-Flair-Gottesdienst auf der Waldbühne am Leuchtberg in Eschwege einer guten Mischung aus jungen und älteren Zuhörern viel Stoff zum Nachdenken mit auf den Weg - so, wie ein guter Gottesdienst es tun sollte.

Europa stand als Thema im Mittelpunkt der Beiträge, die von den neun Pfarrern des Open-Flair-Teams unterhaltsam und dennoch zugespitzt präsentiert wurden. Wie durchlässig sind die europäischen Grenzen wirklich? Verschanzen wir uns dahinter? Sitzen wir satt und reich in einer europäischen Festung und haben nichts Besseres zu tun, als uns fortwährend zu beschweren?, fragten sie.

Zuletzt hat der Europa-Pessimismus öffentlich immer weiter zugenommen. Dem begegnete Staatminister Michael Roth (SPD) als Gastprediger mit einem leidenschaftlichen Europa-Bekenntnis. „Europa ist ein Projekt, das Vielfalt ermöglicht“, sagte er. „Es vereint uns durch Werte, um die andere uns beneiden, wie Freiheit, Solidarität und Rechtsstaatlichkeit.“ Dass andere Staaten dazugehören wollen, wundere ihn nicht. So würden gerade die jungen Leute in Istanbul heute nicht etwa nach Saudi-Arabien schauen, sondern nach Europa. Und Flüchtlinge riskierten ihr Leben, um die Chance zu bekommen, nach Europa zu gelangen. Eindringlich erinnerte Roth daran, dass es in Europa auch andere Zeiten gegeben habe, als Menschen im Ersten Weltkrieg zu Zehntausenden in Stellungskriegen gestorben seien. Dass Menschen zu Millionen im Zweiten Weltkrieg umgebracht wurden. „Heute gehen wir Kompromisse ein, das ist nicht schön, doch Kompromisse sind allemal besser als Krieg“, sagte Roth. „Konflikte werden in Europa nicht mehr mit Waffen gelöst, sondern politisch, demokratisch und per Mehrheitsentscheidung.“ Die Musik zum Gottesdienst kam von der Band Mateo. (kw)

Bilder vom Gottesdienst

Open-Flair-Gottesdienst auf der Waldbühne

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