Nur 1073 Patienten vermittelt

Facharzt: Servicestelle zur Terminvergabe wird kaum genutzt

Werra-Meißner. 1073 Patienten hat die Servicestelle zur Vergabe von Facharzt-Terminen in Hessen seit ihrem Start am 25. Januar erst vermittelt (Stand: 7. März).

Bei 30.000 Terminen, die hessenweit pro Quartal von Fachärzten zur Verfügung gestellt werden, ist das eine schwache Resonanz, sagt Petra Bendrich von der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen (KVH). Zahlen für den Werra-Meißner-Kreis werden nicht erhoben. Die Kritik an der Servicestelle kommt nicht nur von der KVH, sondern auch vom Vorsitzenden des Ärztebündnisses Werra-Meißner, Dr. Jan Purr: Der Service sei eine Ressourcenverschwendung. „Es ist eine unsinnige politische Wohltat. Je spezialisierter der Arzt ist, umso weniger Termine können vergeben werden. Daran kann auch eine Hotline nichts ändern“, sagt der Allgemeinmediziner. Nur zwei Termine habe er über die Servicestelle vermittelt. 

In dringenden Fällen greife er lieber selbst zum Telefon: „Wenn die Terminvergabe bei akuten Beschwerden zu lange dauert, suche ich das persönliche Gespräch mit meinen Facharzt-Kollegen.“ Die KVH wurde gesetzlich verpflichtet, Kassenpatienten innerhalb von vier Wochen einen Termin beim Facharzt zu vermitteln. Für die Behandlung haben Fachärzte auf freiwilliger Basis mindestens zwei Termine pro Woche reserviert. Bis zum 1. März wurden 3562 Anrufer gemeldet. Das ist laut KVH deutlich weniger als erwartet. Von den 1073 vermittelten Patienten nahmen 32 ihren Termin weder wahr, noch sagten sie ihn ab.

 „Das ist besonders ärgerlich für die Ärzte und andere Patienten“, so Bendrich. Die restlichen 2489 Anrufer erfüllten nicht die Kriterien für eine Vermittlung, wie die mit einem Code versehene Überweisung zum Facharzt oder die Mitgliedschaft in einer gesetzlichen Krankenkasse. Bendrich kritisiert neben dem hohen bürokratischen Aufwand auch, dass für Nutzer der Servicestelle die freie Arztwahl entfällt.

So funktioniert die Vermittlung

Stellt ein Arzt im Rahmen der Untersuchung fest, dass eine fachärztliche Weiterbehandlung innerhalb von vier Wochen nötig ist, wird der Überweisungsschein mit einem Code gekennzeichnet. Damit können gesetzlich Versicherte die Servicestelle unter Tel. 069 / 400 5000-0 kontaktieren. Innerhalb von einer Woche sucht die Zentrale nach einem Termin. Dieser darf eine Wartezeit von vier Wochen nicht überschreiten. Eine freie Arztwahl besteht nicht, der Facharzt muss für den Patienten innerhalb von einer Fahrzeit von 30 Minuten mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar sein (Ausnahme: Radiologen, Spezialinternisten, Kinder- und Jugendpsychiater).

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