Fast 2000 Kinder im Landkreis sind arm

Werra-Meißner. Fast 2000 Kinder im Werra-Meißner-Kreis sind auf Sozialleistungen angewiesen.

Das geht aus den Strukturdaten zur Sozial- und Jugendhilfe des Werra-Meißner-Kreises hervor. Auffällig ist, dass der Anteil der armen Kinder in den Städten deutlich über denen der kleinen Gemeinden liegt: In Eschwege etwa gelten 23 Prozent aller Kinder als arm, in Wehretal dagegen nur vier Prozent.

Ein Grund für diese Ungleichverteilung sei, dass viele ärmere Familien oder Alleinerziehende bewusst in die anonymeren Städte ziehen, sagt Ilona Friedrich, Fachbereichsleiterin für Jugend, Familie, Senioren und Soziales. „Bei einer Trennung bleibt der Partner mit den Kindern selten im Dorf.“ In Orten wie Eschwege, Witzenhausen oder Hessisch Lichtenau gebe es kleine, günstige Wohnungen, öffentlicher Nahverkehr und Infrastruktur seien besser.

Um Eltern eine Berufstätigkeit zu ermöglichen und Familien so vor dem Abrutschen in die Armut zu bewahren, hat der Landkreis das Betreuungsangebot ausgebaut - mit Erfolg: 33,4 Prozent aller Kinder unter drei Jahren werden jetzt in einer Krippe betreut. Das ist der höchste Wert in ganz Nordhessen. „Bei Kindern zwischen drei und sechs Jahren liegt die Betreuungsquote bei weit über 90 Prozent“, so Friedrich. Trotzdem seien vor allem Kinder unter zehn Jahren von Armut bedroht. „Dass Eltern überhaupt nicht arbeiten, ist sehr selten geworden. Aber gerade bei Teilzeitstellen ist der Verdienst oft sehr gering.“ Erst ab dem zehnten Lebensjahr der Kinder würden Eltern wieder Stunden aufstocken.

Um ärmeren Kindern auch Sport oder Musikunterricht zu ermöglichen, vergibt das Bildungs- und Teilhabepaket des Bundes seit 2011 Zuschüsse zu Mittagessen, Lernförderung, Sport, Kultur und Ausflügen. „55 Prozent aller betroffenen Eltern stellen hier Anträge“, so Friedrich. Die restlichen 45 Prozent scheuen zurück - aus Scham oder weil ihnen das Antragsverfahren zu kompliziert ist.

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