Ein feiner Mann der alten Schule

Brauerei-Seniorchef Jakob Ernst Andreas ist tot 

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Im Dienste seines Produktes immer wohlgelaunt mittendrin zwischen Kunden, Freunden und Mitarbeitern, so wird man Jakob Ernst Andreas gern in Erinnerung behalten.

Friedlich eingeschlafen, so fand man Jakob Ernst Andreas (89) gestern in seiner Wohnung vor. Der Verstorbene hinterlässt Lücken in Familie und der Klosterbrauerei, unter vielen Freunden und in Vereinen, und an einer Stelle ganz besonders: In den Straßen seiner Heimatstadt Eschwege, wo er im Gang vom Alter gebeugt noch immer galant seinen Hut zückte und sein Gegenüber mit Namensnennung herzlich grüßte. Und das quasi nonstop, denn Jakob Ernst Andreas kannte jeder und er kannte viele.

Eschwege. Als feinen Mann der alten Schule, so kannte man den kenntnisreichen und humorvollen Senior, der, auf ein altersgerechtes kleines Auto umgestiegen, noch jeden Tag von seiner Wohnung in die neue Niederlassung der Brauerei in der Thüringer Straße gefahren ist. Hier hat zwar längst sein Sohn Ernst das Sagen, aber ein Büro für den Vater und nimmermüden Unruheständler war eine Selbstverständlichkeit.

Am 17. Oktober 1922 in der Dietemannstadt geboren, hat er zunächst die Knabenbürgerschule und dann die Friedrich-Wilhelm-Schule besucht. Hier hat er u. a. Französisch gelernt, womit er später französische Gäste bei Brauereiführungen beeindruckte und beim Abitur wurde er in Chemie geprüft. Thema? Die alkoholische Gärung! Wehrdienst bei der Luftwaffe, Kriegsgefangenschaft in Frankreich, kaufmännische Lehre in Göttingen und Ausbildung zum Brauer waren die Stationen des jungen Jakob Ernst Andreas. Seine 1951 begonnene Karriere in der väterlichen Brauerei fasste er selbst anlässlich seines 70. Geburtstages so zusammen: „20 Jahre Juniorchef, zehn Jahre Chef und zehn Jahre Seniorchef.“.

Heimathistoriker haben ihn gern konsultiert, hatte er doch ein umfassendes Wissen über Alt-Eschwege und seine Familien und zu fast jedem Ereignis eine kleine Geschichte auf Lager. Was seine Heimatstadt anbelangt, nannte man den Dietemann mit Leib und Seele bisweilen auch wandelndes Lexikon.

Viele Dinge waren ihm eine Herzensangelegenheit wie beispielsweise das vorweihnachtliche Treffen der Alt-Gastronomen, allesamt Jahrzehnte lang seine treuen Kunden, zuletzt war er nicht selten selbst der älteste Teilnehmer.

Als Freund und Gönner war er dem Sport, insbesondere der Reiterei, dem Chorgesang, dem Heimkehrerverband, der Ehemaligen-Vereinigung Eschweger Gymnasien und nicht zuletzt der Feuerwehr eng verbunden. Der gehörte er über fünf Jahrzehnte an und genau so lange einem Stammtisch von Feuerwehrsenioren.

Eschweger Urgestein

So wie das „Stück Eschweger Urgestein“, wie ihn der damalige Bürgermeister Jürgen Zick zu seinem 70. Geburtstag bezeichnete, das Familienunternehmen mit Weitsicht, Augenmaß und zukunftsweisenden Investitionen wettbewerbsfähig gehalten hat, so sehr hat ihn gefreut, dass mit Sohn Ernst die Familientradition in seinem Sinne weitergeführt wird und zur Freude des Großvaters mit Enkel Alexander nach Lage der Dinge eine weitere Generation bereit- steht.

Von Helmut Mayer

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