Firmen werden pleite gehen

Die Grünen sorgen sich um Zukunft der Energiewende im Werra-Meißner-Kreis

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Schloss Berlepsch. Dass die Bundesregierung die Förderung der Stromproduktion aus Windkraft, Sonne und Biomasse einschränken will, „trifft uns ganz besonders“, sagt Dr. Rainer Wallmann (Grüne). Der Werra-Meißner-Kreis, in Nordhessen ohnehin Schlusslicht bei der Erzeugung von Öko-Strom, werde die Folgen zu spüren bekommen, ahnt der Erste Kreisbeigeordnete.

Dr. Rainer Wallmann Foto: Forbert

Die umstrittene Novelle des Erneuerbare Energien Gesetzes (EEG) stand im Mittelpunkt eines Fachgespräches, zu dem die Grünen ins Schloss Berlepsch eingeladen hatten. Wie es weitergehen wird mit der Energiewende im ländlichen Raum, darum sorgen sich Unternehmen und Energiegenossenschaften, die auf die Stromproduktion ohne Atomkraft und Kohle gesetzt haben. Dabei sei die Abkehr von dieser gefährlichen und umweltbelastenden Stromerzeugung unverzichtbar, bekräftigt Wallmann. Auf dem Land würden die Windräder stehen, „nur mit uns geht die Energiewende“.

Klaus Anduschus Foto: nh

Besonders zornig macht Kritiker der Gesetzesnovelle die Absicht, dass künftig auch diejenigen per Umlage zur Kasse gebeten werden sollen, die ihren selbsterzeugten Öko-Strom auch selbst verbrauchen. „So ein Blödsinn“, sagt Wallmann, „das ist demotivierend.“ So sieht das auch Grünen-Bundesvorsitzende Simone Peter. Die Stromproduktion aus Wind und Sonne werde gedeckelt und ausgebremst, es gebe einen Bestandsschutz für Kohle, und womöglich bekomme man nicht mal mehr den Atomausstieg hin, zählt sie auf. Zwar haben die Grünen als Opposition im Bundestag nicht mehr viel zu melden, aber die Chefin kündigt den Einsatz der sieben Bundesländer, in denen die Grünen mitregieren, im Bundesrat an: „Wir wollen schauen, was zu retten ist.“

Simone Peter Foto: Fischer

Aus der Sicht von Klaus Anduschus, Biogasberater im Maschinenring Kassel und Grünen-Stadtverordneter in Witzenhausen, zielt die Gesetzesnovelle ganz klar darauf, die Stromproduktion aus Biogas zu schwächen. Es sei viel Geld investiert worden, um aus Landwirten Energiewirte zu machen. Doch künftig „werden Firmen pleite gehen“, befürchtet Anduschus.

Für einen gemeinsamen Weg plädiert Martin Rühl, Geschäftsführer der Stadtwerke Union Nordhessen (SUN). Bei aller berechtigten Kritik dürfe man nicht vergessen: „Die klassische Stromwirtschaft geht am Stock.“ Auch dort gehe es um viele Arbeitsplätze. Klar sei aber, dass nicht noch weitere 30 Jahre Stromkraftwerke mit Braunkohle betrieben werden dürften. Und klar sei auch, dass die Region weiter daran arbeiten werde, durch den selbst produzierten Strom 300 Millionen Euro Wertschöpfung pro Jahr zurück nach Nordhessen zu holen.

Von Jörg Steinbach

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