Das Flair ist viel mehr als Musik allein

Überwältigend: Eine Umarmung der Marionette Dundu kann angesichts deren monströser Größe von fünf Metern durchaus einschüchtern. Foto: Open Flair

Vor allem geht es beim Open Flair um Musik. Aber eben nicht nur. Kleinkunst, Kinderprogramm, Gottesdienst und Walkacts sind ebenso wichtige Bestandteile des Programms,

Flairmacher Alexander Feiertag meint, dass die Atmosphäre des Festivals gerade auch von den besonderen kleinen Momenten lebt. Für solche Momente sorgen insbesondere immer wieder die Walkacts, in diesem Jahr etwa die fünf Meter große Marionette Dundu. Sie begeisterte die Besucher des Flairs schon vor zwei Jahren. Spontan interagiert sie mit dem Publikum, feiert die Bands, tanzt zur Musik und schafft dadurch eine ganz eigene Faszination.

Weltlicher ist da der Clown Knäcke, der im ständigen Kampf mit den Tücken des Alltags von einem Missgeschick zum nächsten stolpert. Dabei aber wird er auch auf dem Festivalgelände das Nichts zum Leben erwecken, Missgeschicke zu Geschichten und vorübergehende Passanten zu Zuschauern und Mitspielern werden lassen.

Richtig wuchtig geht es dagegen bei den drei ziemlich beleibten Köchen von der Gruppe „Les Crêpes - La cuisine mobile“ zu. Sie rollen samt Herd durch die Stadt und über das Gelände. Die Brüder Jean-Luc, Jacques und Jules bereiten für die Hungrigen Crêpes zu, für die Durstigen gibt es Wein und für Süße Süßes: „Sie füttern und trösten, sie tanzen und dösen, sie flirten und betören und sie sind geradezu orgiastisch lebensfroh“, heißt es in der Vorstellung der neuen Walkact-Produktion des Ensemble Kroft.

Vielleicht treffen die Köche ja auch auf die Jungs vom privaten Sicherheitsdienst: Frisch entlassen aus der eigenen Sicherungsverwahrung gehen die beiden Herren als uniformierter Wahnsinn händchenhaltend auf Streife. „Kein Polizistenpaar tanzt erotischer über die Straßenkreuzung. Nichts hat einen Zebrastreifen je mehr erschüttert als diese beiden“, lauten die Beschreibungen dieses lustigen Duos, das auch als amüsantestes Einsatzkommando innerhalb geschlossener Ortschaften bezeichnet wird.

Ein besonderes Vergnügen wird auch der Auftritt des Fast forward theatre: Wenn die Künstler am Donnerstag um 19.30 Uhr im E-Werk auf der Bühne stehen, weiß niemand, was als Nächstes passiert: Sie lassen sich vom Publikum ein paar Begriffe nennen und spielen zu diesen Begriffen eine witzige, kurze Szene. Politisch unkorrekt geht es gleich im Anschluss mit Team und Struppi weiter: Jasper Diedrichsen und Moritz Neumeier zelebrieren hier ihr preisgekröntes Anarchie-Kabarett. Bei ihnen bekommt jeder sein Fett weg. Ob Minderheiten oder die Regierung, niemand wird verschont bleiben. „Schelmisch und mit viel Ironie werden die Grenzen des Unmöglichen überschritten. Ein Kabarettmanifest der Extraklasse mit Wort und Klang“, sind sich die Kritiker hier einig.

Von Melanie Salewski

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