Neue Regelung wird zumeist begrüßt, aber skeptisch gesehen

Flexi-Rente: Betriebe im Kreis sehen wenig Chancen

Werra-Meißner. Die vom Bundestag beschlossene, allerdings erst ab Mitte nächsten Jahres in Kraft tretende sogenannte Flexi-Rente für Arbeitnehmer ab 63 Jahren wird auch von Arbeitgebern im Werra-Meißner-Kreis allgemein begrüßt.

In den Backstuben sei man froh, wenn man bewährte Kräfte länger behalten könnte, begrüßt Obermeister Martin Stange von der Bäckerinnung Werra-Meißner die Flexi-Rente. Denn es werde zunehmend schwerer, die alten Kollegen zu ersetzen. Über Nachwuchsmangel klagt auch die Baubranche. Deshalb hält Bau-Obermeister Robert Kunz eine flexiblere Regelung notwendig. Allerdings werde sie kaum greifen, weil die wenigsten Bauhandwerker überhaupt länger arbeiten könnten, gibt er zu Bedenken: „Wer 40 oder 45 Jahre hart gearbeitet hat, ist körperlich verschlissen.“

Um Mitarbeiter, die wichtig für die Firma sind, weiter beschäftigen zu können, begrüßt Personalleiterin Annett Herrmann vom Holzfasermatten-Hersteller NBHX-Nafatec (ehemals Lignotock) in Sontra die Flexi-Rente. Sie käme aber nur für einzelne Beschäftigte in Frage. Aktuell beschäftige man manchen Mitarbeiter in Geringfügigkeit weiter. Andererseits sei wichtig, dass auch junges Personal herausgezogen werde, gibt sie zu Bedenken.

 Für „Augenwischerei“ hält Vorsitzender Gerold Schwarz vom Hotel- und Gastronomie-Kreisverband Werra-Meißner die Flexi-Rente. Damit würden lediglich Minijobs forciert. Ein Nachtportier könne aber nur im Vollzeitjob eingesetzt werden. Dann verdiente dieser so viel mehr, dass er Abzüge bei der Rente hätte – und somit „bestraft würde“. 

Schon heute gibt es Möglichkeit, dass Frührentner im alten Betrieb weiter arbeiten. Altgesellen helfen oft auf Minijob-Basis und in Teilzeit noch aus, wenn es im alten Betrieb klemmt, weiß Geschäftsführer Stephan Schenker von der Kreishandwerkerschaft Werra-Meißner.

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