22-Jähriger absolviert Ausbildung zum Koch im 2. Lehrjahr

Flüchtling Fazel Said droht die Abschiebung

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Ist bereits im zweiten Lehrjahr: Fazel Said, der auf Kochsberg seine Ausbildung zum Koch macht. Nun soll der Flüchtling aus Afghanistan abgeschoben werden. 

Eschwege. Der 22-jähriger  Fazel Said versteht gar nichts mehr: Er soll zurück nach Afghanistan geschickt werden, obwohl er sich in Eschwege Zuhause fühlt und derzeit eine Ausbildung absolviert.

Sein Blick ist leer. Wenn er spricht, liegt eine tiefe Traurigkeit in seiner Stimme: Fazel Said versteht die Welt nicht mehr. Er, der im Mai 2013 alleine als Flüchtling nach Eschwege kam, sich von Beginn an im Sozialen Stadtteilladen auf dem Heuberg ehrenamtlich engagierte und eine Ausbildung zum Koch auf dem Kochsberg absolviert, soll abgeschoben werden. Diese niederschmetternde Nachricht erreichte den 22-Jährigen vor kurzem vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF).

„Ich kann nicht zurück“, sagt Fazel mit zitternder Stimme. Er würde in seiner Heimat Afghanistan keinen Tag überleben, die Taliban würden ihn umbringen. „Wegen den Taliban bin ich ja geflüchtet, weil ich mich geweigert habe, das zu tun, was sie von mir verlangten“, sagt Fazel in flüssigem Deutsch.

Seit einem Jahr wohnt er in einer kleinen Ein-Zimmer-Wohnung in der Eschweger Altstadt, die extra von einem deutschen Freund für ihn ausgebaut wurde. „Ich habe mir mit der Ausbildung und der eigenen Wohnung schon ein kleines Stück Zukunft aufgebaut hier in Eschwege, wo ich bleiben möchte und wo ich in Frieden leben kann“, sagt er.

Mittlerweile kümmert sich ein Anwalt um seinen Fall. Er klagt vor dem Kasseler Verwaltungsgericht gegen seine Abschiebung. Unterstützung erhält Fazel auch seitens seines Arbeitgebers, der Werraland-Beschäftigungsgesellschaft (WeBeG).

"Keine Integration erkennbar"

„Wir sind alle schockiert. Das darf nicht sein, dass ein junger Mann, der hier auf eigenen Füßen steht und mit großem Willen an seiner Zukunft arbeitet, wieder gehen muss“, so WeBeG-Geschäftsführer Gerd Hoßbach. Auch Fazels Kollegen auf Kochsberg sagten ihre Unterstützung zu. „Warum soll solch ein junger Mann gehen? Er liegt hier niemandem auf der Tasche, macht seinen Job hervorragend und ist auch menschlich eine Bereicherung“, sagt Küchenchef Fabian Führer, Fazels Vorgesetzter.

Laut Waltraud Eisenträger-Tomcuk, die Fazel seit seiner Ankunft in Eschwege vor gut drei Jahren begleitet, begründet das BAMF die Ablehnung des Asylgesuchs auch damit, dass keine Integration in die deutsche Gesellschaft erkennbar sei. „Fazel hatte bei seiner Anhörung überhaupt keine Möglichkeit, seine mitgebrachten Fotos von vielen Aktivitäten mit seinen deutschen Freunden vorzulegen, die sehr wohl seine Integration bestätigen“, so Eisenträger-Tomcuk.

Das lässt auch Fazel verzweifeln: „Sie glauben mir einfach nicht, was soll ich nur machen.“ Aufgeben will er aber nicht, stattdessen will er weiter um seinen Schutzstatus kämpfen. „Ich lebe hier, ich arbeite hier, meine Zukunft soll Eschwege sein.“ (red/cow)

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