Mit dem letzten Schritt zur Hochwassersicherung sind auch die Naturschützer zufrieden

Aus Flutmulde wird linker Werraarm

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Wolfram Brauneis an einem künstlichen Teich, der in den links an Albungen vorbei führenden Werraarm integriert werden soll.

Albungen. Erste Rufe nach Hochwasserschutz für Albungen reichen zurück bis 1960. Seit 1983 ist auch die Hessische Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON) damit beschäftigt, erinnert sich deren Statthalter für den Werra-Meißner-Kreis, Wolfram Brauneis.

Der HGON ist es mitzuverdanken, dass aus Albungen keine komplett eingedeichte Hallig auf dem Festland wurde. Stattdessen sollte den Wassermassen auf breitem Raum ein schadloses Umfließen des Ortes ermöglicht werden. Ein Zurückhalten der Wassermassen durch Stauraum im flachen Gelände war nun das Ziel. „Die ohnehin bei steigender Werra sofort durchströmte Flutmulde bot sich zur Realisierung an“, sagt Wolfram Brauneis.

Doch standen davor noch weitere Hürden. Zunächst musste die nach Albungen führende Kreisstraße 1 eine hochwasserfreie Anbindung erhalten. 2002 war es so weit und der bis dahin notwendige Fußgängersteg wurde durch ein ordentliches Brückenbauwerk ersetzt, das jetzt auch von Autos der Einwohner und ebenso durch Rettungsfahrzeuge genutzt werden konnte. Das ermöglichte weiterhin die Schließung der nördlichen Bahnschrankenanlage von Albungen, weil auch ein Stück der dortigen Straße aus dem Dorf der Gestaltung der Flutmulde weichen muss.

Jedoch betrachtete sich der Naturschutz die ausgearbeiteten neuen Pläne, wo vom Ausbau der Berka-Mündung und von der Erstellung eines sogenannten Einschnürungsbauwerkes in der Werra die Rede war, schien das alles ökologischen Vorstellungen nicht zu entsprechen. So wurden ehrenamtliche Eingaben geschrieben und in den Beiräten mit den Naturschutzbehörden diskutiert, die sich bereits selbst gegen grobe Betonausführung gewandt hatten. Alles führte schließlich zum Erfolg. Der Ausbau der Berka-Mündung und die Einschnürung der Werra mit Zementklötzen wurden gestrichen.

Durch die nun genehmigte und finanziell gesicherte Herstellung eines ganzjährig intakten Werraarmes durch die Flutmulde bei Albungen bis zum nördlich gelegenen Flussbogen wird in erster Linie dem Hochwasserschutz des Ortes Rechnung getragen. Eine biologische Bauweise garantiert die Schonung der Natur sowie des weiteren Umfeldes und viele Arten der verschiedensten Tiergruppen werden an und in diesem neuen, flachen Zweigarm zusätzliche Ansiedlungsmöglichkeiten finden. Die HGON, so Wolfram Brauneis, ist mit dieser Lösung zufrieden. So hatte Staatssekretär Mark Weinmeister die höchstmögliche Förderquote von 85 Prozent damit begründet, dass der angepeilte Hochwasserschutz auch ökologischen Ansprüchen gerecht werde. Nun wird Albungen bei Hochwasser nun doch zur Hallig, aber mit trockenen Füßen und Kellern und erreichbar.

Von Helmut Mayer

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