Eschweger Ordnungshüter bei Verkehrskontrollen im Visier der Autofahrer

Fotojagd auf Radar-Polizei: Ordnungshüter im Visier der Autofahrer

Radarkontrolle: Wenn Ordnungspolizist Marco Illing seine Messstation aufbaut, dauert es nicht lange und er wird selbst Ziel der Smartphone-Fotografen. Foto: Sagawe

Eschwege. So oft wie in den vergangenen Tagen ist Marco Illing noch nie fotografiert worden. Ständig würden Passanten zum Smartphone greifen und den Eschweger Ordnungspolizisten ablichten. „Gestern habe ich die Messstation abgebaut, weil die Verkehrssicherheit nicht mehr gegeben war“, erzählt Illing. Autofahrer hätten zum Fotografieren auf der Kreuzung gestoppt.

Zum Hintergrund: In der vergangenen Woche hatte ein Verkehrsteilnehmer einen Eschweger Ordnungspolizisten angezeigt, weil der das Messfahrzeug der mobilen Radarstation auf einem Radweg bei Albungen geparkt hatte. Widerrechtlich, wie der Passant fand. Ein Rechtsanwalt aus der Kreisstadt teilte die Auffassung des Anzeigeerstatters und tat das auch kund. Eschweges Erster Stadtrat und Ordnungsdezernent Reiner Brill sieht das anders: „Wenn wir hoheitliche Aufgaben ausüben, dann dürfen wir mit dem Fahrzeug auch auf Rad- und Fußwegen stehen.“

Seit dem Vorfall in der vergangenen Woche fühlen sich die Ordnungspolizisten einer regelrechten Verfolgungsjagd ausgesetzt. Sobald die Kontrollstation aufgestellt sei, würden die Smartphones gezückt und es werde permanent fotografiert, berichtet Illing. „Unsere Leute werden auf ihre Arbeit – um es zurückhaltend zu formulieren – angesprochen“, beschreibt Brill regelrechte Pöbeleien. In den nicht immer sozialen Netzwerken wird die Arbeit der Ordnungshüter diskutiert – selten sachlich und manchmal auch unterhalb der Gürtellinie.

Brill verteidigt den Einsatz der vier städtischen Ordnungspolizisten am Radargerät: „Wir machen das nicht, um jemanden zu ärgern, sondern weil wir einen gesetzlichen Auftrag haben.“ Die Nutzung des Radweges mit dem Einsatzfahrzeug sieht der Ordnungsdezernent auch von der Straßenverkehrsordnung gedeckt. Auch wenn auf Gehwegen generell nicht gehalten und geparkt werden dürfe, würden den Gefahrenabwehrbehörden zur Wahrnehmung ihrer Aufgaben gewisse Sonderrechte eingeräumt. Die würden auf die Erfüllung hoheitlicher Aufgaben angewendet.

Zur Messung bei Albungen: Dort werde wegen ständiger Überschreitungen regelmäßig die Geschwindigkeit kontrolliert. „Die erlaubten 70 Stundenkilometer werden in den wenigsten Fällen eingehalten“, sagt Ordnungspolizist Illing. In der vergangenen Woche wurde der Spitzenreiter in Höhe der dortigen Bushaltestelle mit 108 Stundenkilometern geblitzt. Er müsse das Einsatzfahrzeug auf dem Radweg abstellen, weil es in der Nähe der Kontrollstelle keinen anderen geeigneten Platz gebe, so Illing.

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