Lisa Heise schreibt über ihre Erlebnisse in Eschwege

Eschweger Geschichtsblätter: Die Frau und der Dichter

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Eschweges Stadtarchivar Karl Kollmann blättert die neueste Ausgabe der Eschweger Geschichtsblätter durch.

Eschwege. Jene junge Frau, die mit Rainer Maria Rilke in einem berühmten Briefwechsel stand, verbrachte ihre Kindheit und Jugend in Eschwege.

Lisa Heise

Es handelt sich um Lisa Heise, die vor dem Ersten Weltkrieg gemeinsam mit ihren Eltern einige Jahre in der Kleinstadt lebte. Später hat sie sich aber nicht allein dem spannenden Austausch mit dem Lyriker hingegeben. Auch sie selbst übte sich literarisch.

Drei ihrer Kurzgeschichten haben die Historiker Dr. Karl Kollmann und York-Egbert König nun für die jüngste Ausgabe der Eschweger Geschichtsblätter aufgetan. Sie alle ranken sich um Kindheitserlebnisse Lisa Heises und tragen so spannende Titel wie „Spuk am Nachmittag“ oder „Das Geheimnis“. Auch insgesamt weisen die Geschichtsblätter auf 143 Seiten wieder eine Vielzahl interessanter und ganz unterschiedlicher Beiträge zur Regionalgeschichte auf.

Städtische Erinnerungskultur

Mehrere Aufsätze widmen sich etwa der Entwicklung der städtischen Erinnerungskultur und der Verfolgung während der Zeit des Nationalsozialismus. So nehmen die beiden Historiker selbst etwa einen Rückblick auf die zahlreichen Aktionen im Gedenken an die Opfer des NS-Regimes im zurückliegenden Jahr vor, von der Austellung „Legalisierter Raub“ über die Verlegung von Stolpersteinen bis hin zur Enthüllung des Bronzekoffers am Stadtbahnhof stellen sie in ihrem reich illustrierten Rückblick fest, dass sich die Eschweger Stadtgesellschaft in Sachen Erinnerungskultur in „die richtige Richtung“ bewegt habe, wie Dr. Karl Kollmann es im Gespräch mit der Werra-Rundschau ausdrückte.

Auch zum Schicksal jüdischer Ärzte in und aus dem Werratal arbeitet York Egbert-König. Die Machenschaften der NS-Militärjustiz in der Region werden von Marcus Herrberger beleuchtet. In seinen ganz persönlichen Gedanken zum 70. Jahrestag der Deportation der letzten Eschweger Juden regt Jochen Schweitzer etwa die Neuauflage des vergriffenen Buches „Juden in Eschwege“ von Anna Maria Zimmer an.

Ursprung der Eschweger Stadtfarben

Sehr interessant erscheint auch ein Beitrag Karl Kollmanns zum Ursprung der Eschweger Stadtfarben Blau und Weiß: „Ich habe zu diesem Thema immer wieder Anfragen erhalten und mich dann entschieden, hier intensiver nachzuforschen“, so der Geschichtswissenschaftler. Offiziell sind die Stadtfarben demnach erst seit 1972 im Stadtrecht verankert, zurückverfolgen lassen sie sich historisch aber deutlich länger.

So geht Kollmann davon aus, dass die Stadtfarben auf die sogenannte Bürgergarde zurückgehen. Diese aus der Waffenpflicht der Bürger zur Verteidigung der Stadt gebildete Gruppe bestand in Eschwege von 1831 bis 1852. Im Stadtmuseum ist noch heute eine ihrer Fahnen zu sehen, zwar stark verschlissen, aber als Quelle für den Untersuchungsgegenstand dennoch sehr aussagekräftig: Sie ist weiß und blau senkrecht geteilt und trägt auf dem blauen Feld den Schriftzug „Eschwege 1833“, während auf dem weißen Feld ein doppelter Eschenzweig unter einer Krone zu sehen ist.

In seinem Aufsatz wirft Karl Kollmann schließlich die Frage auf, wie die Bürgergarde zu dieser Farbauswahl gelangt sein könnte und liefert hier eine ganz eigene These.

Von Melanie Salewski

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