Gammelfleisch und Teppichbrand

67-Jähriger wegen Versicherungsbetruges zu Geldstrafe von 3 000 Euro verurteilt

+

Eschwege. Ein 67-jähriger Mann aus dem Werra-Meißner-Kreis ist am Dienstag  vor dem Amtsgericht Eschwege zu einer Geldstrafe von 3000 Euro verurteilt worden. Ein mitangeklagter Mann und eine Frau wurden freigesprochen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Den Angeklagten wurde gemeinschaftlicher gewerbsmäßiger Betrug vorgeworfen. In 14 Fällen sollen sie Schäden bei verschiedenen Versicherungen angezeigt haben, um Schadensersatzzahlungen zu erschleichen.

Die Angeklagten K., 67 Jahre alt und Z., 49 Jahre sowie die Angeklagte S., 63 Jahre, hatten gemeinsam in einem Einfamilienhaus im Werra-Meißner-Kreis gewohnt. Zur Aufbesserung ihrer Finanzen sollen sie zwischen August 2006 und Juni 2009 drei Schadensszenarien kreiert haben, die in wechselnder Personenkonstellation bei den Versicherungen gemeldet wurden. • Szenario eins: Der Gefrierschrank sei durch Verschulden eines Dritten abgetaut, Fleischvorräte daher vergammelt. Leichte Abweichungen gab es dabei nur in den Begründungen: Mal soll der Hund von Z. das Kabel durchbissen haben, mal K. versehentlich das Kabel gezogen haben. Als nach dem dritten Mal eine Versicherung nicht mehr zahlte, ging es nach Versicherungswechseln noch viermal weiter. • Szenario zwei: Durch eine heruntergefallene Zigarette seien Brandschäden in einem Teppich oder PVC-Boden entstanden. Mit immer neu verteilten Rollen wurde dieses Szenario insgesamt sechsmal gemeldet. • Szenario drei: Z. soll beim Umzug von S. einen Herd fallengelassen und diesen so beschädigt haben. Zahlungen wurden bei Vorgabe des gleichen Ablaufes bei zwei Versicherungen eingefordert.

In zehn Fällen zahlten die Versicherungen insgesamt etwa 2 400 Euro, in fünf Fällen wurde die Zahlung verweigert. Laut Anklage seien die Schreiben mit der Bitte um Schadensbegleichung von S. verfasst und dann jeweils entweder von K. oder Z. unterschrieben worden.

Während der Beweisaufnahme äußerte sich lediglich S. zu den Vorwürfen, gab aber an, sich an nur drei Fälle erinnern zu können. Durch ihre Epilepsieerkrankung seien Erinnerungslücken aber durchaus möglich, hieß es in einem forensisch-psychiatrischen Gutachten. Ob dies auch für den Zeitpunkt der Taten gelte, blieb offen. Dem Frührentner Z. wurde eine leichte Intelligenzminderung bescheinigt.

In ihren Plädoyers hatten alle drei Verteidiger Freisprüche für ihre Mandanten gefordert. „Es ist nicht erkennbar, wer hier was genau gemacht hat“, sagte Verteidiger Thomas Illhardt, sein Kollege Bernd Steinbach fasste auch daher treffend zusammen: „Drei Verteidiger beantragen Freispruch und der liebe Gott hat die Versicherung betrogen.“ Ganz so sah es das Gericht dann aber nicht. Zwei der Fälle seien sicher zuzuordnen gewesen, sagte der Vorsitzende Richter Dr. Alexander Wachter, da Z. die auf ihn ausgestellten Verrechnungsschecks eingelöst habe.

Kommentare