Wildwechsel in der Zeit des Berufsverkehrs – Unfallzahlen im Kreis bleiben konstant

Gefahr steigt im Herbst

Schreckensszenario für jeden Autofahrer: Unfälle mit Rehen oder Wildschweinen passieren meist in der Dämmerung. Deshalb gilt: Fuß vom Gas, vor allem auf waldnahen Straßen. Foto: Burgi/dpa

Werra-Meißner. Wildwechsel gefährdet besonders im Herbst den Verkehr. Der Berufsverkehr fällt in die Zeit der Dämmerung, und zu dieser Zeit sind Wildtiere vermehrt unterwegs. Während die Zahl der Wildunfälle im Landkreis Kassel in den vergangenen drei Jahren drastisch gestiegen ist, verzeichnet die Polizeidirektion Esch-wege seit 2010 aber konstante Wildunfallzahlen.

Im Jahr 2010 gab es nach Angaben der Polizeidirektion Werra-Meißner 653 Wildunfälle im Kreis, 2011 waren es 602 Unfälle, 2012 651 Unfälle und im Jahr 2013 bis einschließlich August 400 Unfälle. Insgesamt wurden dabei fünf Menschen schwer und 29 Menschen leicht verletzt. Es entstand ein Schaden von knapp 2,9 Millionen Euro.

Population hat sich vermehrt

„Auf den Feldern und im Wald finden Wildtiere gute Bedingungen und viel Nahrung“, erklärt Frank-Reiner Rake, Jäger und Vorsitzender der Hegegemeinschaft Witzenhausen. „Dadurch wird die Population immer größer.“ Zwar seien die Jäger darum bemüht, den Bestand auf einem gesunden Maß zu halten. Dass es auf waldnahen Straßen regelmäßig zu Wildunfällen komme, ließe sich aber nicht verhindern.

Rake appelliert deshalb an alle Autofahrer: „Fuß vom Gas, vor allem in der Dämmerung.“ Außerdem sei es wichtig, die Wild-Warnschilder an den Straßenrändern ernst zu nehmen. „Diese Schilder werden dort aufgestellt, wo sich in der Vergangenheit die Wildunfälle gahäuft haben“, erklärt er.

Wenn plötzlich ein Tier auf die Straße läuft, sollten Autofahrer nur dann ausweichen, wenn andere Verkehrsteilnehmer nicht gefährdet werden. Kommt es durch ein Ausweichmanöver zum Unfall, haftet die Versicherung nur bedingt. Über die Teilkaskoversicherung sind in der Regel Schäden versichert, die durch einen Zusammenstoß des Fahrzeugs mit Haarwild entstanden sind. Dafür ist eine schriftliche Bestätigung der Polizei oder des Forstamtes notwendig. Bei Wild, das durch einen Unfall verendet, hat der Jagdpächter ein Aneignungsrecht, aber keine Aneignungspflicht.

„Bei angefahrenem und flüchtendem Wild sollte auf jeden Fall eine Nachsuche veranlasst werden“, sagt Kreissprecher Jörg Klinge.

Um die Unfallzahlen zu senken, seien im Jahr 2008 an einigen wildunfallträchtigen Straßen im Kreis blaue Reflektoren an den Leitpfosten angebracht worden, so Klinge weiter. Dadurch ließe sich Rehwild zwar abschrecken, bei Wildschweinen habe sich dieser Effekt aber bisher nicht nachweisen lassen.

Dennoch sei die Zahl der Unfälle an den entsprechenden Abschnitten der Bundesstraße 27 zurückgegangen. „Problem ist, dass die Kosten, circa fünf Euro pro Reflektor, bisher im Regelfall von der Jägerschaft getragen werden“, gibt Klinge zu Bedenken.

Von Julia Schwekendiek

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