Open Flair: Kosten für die Rechteverwertung in zwei Jahren mehr als verdoppelt

Gema belastet Finanzen

Teure Musik: Open-Flair-Chef Alexander Feiertag klagt über die stark gestiegenen Gema-Gebühren. 2011 hat die Gesellschaft ihre Berechnungsgrundlage umgestellt. Archivfoto: Sagawe

Eschwege. Seit mit Tonträgern kaum noch Geld verdient wird, generiert die Gema (Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte) die Einnahmen für die Mitglieder der Verwertungsgesellschaft zunehmend aus Live-Veranstaltungen. Wenn auf der einen Seite nichts mehr verdient wird, muss auf der anderen umso mehr erwirtschaftet werden.

Der Arbeitskreis Open Flair in Eschwege spürt diese neue Politik der Rechteverwerter bei der Finanzplanung deutlich. „Die Gema-Kosten haben sich seit der Umstellung mehr als verdoppelt“, stellt Open-Flair-Chef Alexander Feiertag fest. Rund 70 000 Euro werden für das Festival in diesem Jahr zu überweisen sein. Seit 2011 wird die Abgabe auf Basis des Bruttoumsatzes berechnet - 5,2 Prozent in diesem Jahr.

Welche Einnahmen letztendlich in diese Berechnungsgrundlage einfließen, darüber streiten die Gema und der Arbeitskreis Open Flair. Nach Feiertags Einschätzung dürften die Camping-Einnahmen beispielsweise keine Berücksichtigung finden. „Wir vertreten die Auffassung, dass Dienstleistungen wie das Camping-Angebot nicht unmittelbar mit dem Konzert zu tun haben.“ Die Verwertungsgesellschaft sieht das anders, ist aber immerhin gesprächsbereit. „Wir verhandeln darüber“, verrät Alexander Feiertag.

Werde hier keine Einigung erzielt, müsse neu nachgedacht werden. Ein Weg wäre die Vermarktung des Camping-Areals über einen Dritt-anbieter. Die Mehrkosten könnten unter dem Strich nur über höhere Ticketpreise aufgefangen werden. „Eine andere Möglichkeit haben wir nicht“, sagt Feiertag. An der Programm-Qualität könne nicht gespart werden, einen der vier Festivaltage zu streichen, sei schon gar keine Option. „Wir müssen auf dem Level bleiben und ein anspruchsvolles Festival anbieten“, so Feiertag, „das Open Flair ist ein Gesamtkunstwerk, das man nicht einfach abspecken kann, weil es sonst nicht mehr funktioniert.“

Zusätzliche Sponsorengelder zu akquirieren funktioniert nach Angaben Feiertags ebenso wenig wie die Erweiterung der Publikumskapazität. Mehr als 20 000 zahlende Zuschauer passen nicht auf das Festivalgelände. Mit der Schaffung zusätzlicher Spielorte für die Kleinkunst im Schlosspark und für Musikacts auf dem Seegelände wurde in den vergangenen Jahren schon eine gewisse Entzerrung erreicht.

Von Harald Sagawe

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