Zuflucht für Verfolgte ist immer das letzte mögliche Mittel

Gemeinden gewährten dreimal Kirchenasyl

Werra-Meissner. Drei Menschen suchten in den vergangenen fünf Jahren in den evangelischen Gemeinden des Kreises Kirchenasyl.

Aus Angst vor Abschiebung entzogen sie sich damit für eine gewisse Zeit dem Zugriff der Behörden; zwei davon allein in den vergangenen 18 Monaten, von denen ein Asyl erst kürzlich positiv endete. Für die Kirchengemeinden ist das Asyl immer nur die Ultima Ratio – also das letzte mögliche Mittel der Hilfe.

„Eine rechtliche Grundlage für Kirchenasyl gibt es nicht“, erklärt Michael Conrad vom Regierungspräsidium Kassel. Es sei eine freiwillige Selbstbeschränkung der Ausländerbehörden, dass die Polizei Kirchen und kirchliche Räume nicht betritt.

„Bevor Kirchenasyl gewährt wird, sollte nach bestem Wissen und Gewissen versucht werden, alle anderen Möglichkeiten auszuschöpfen“, sagt Dekanin Ulrike Laakmann. Ob eine Gemeinde Asyl gewähre, müsse immer für den Einzelfall beschlossen werden. Die letzte Entscheidung treffen Pfarrer und Kirchenvorstand. Wichtig sei, dass diese sich im Vorfeld viele Informationen bei der Klärungsstelle Flüchtlingshilfe und bei der Stelle für Öffentlichkeitsarbeit der Landeskirche sowie dem Dekanat holen, sagt Laakmann.

Hierzu gibt es eine entsprechende Empfehlung der Landeskirche. Ähnlich geht die katholische Kirche vor. Kirchenasyl sei immer Nothilfe in einem konkreten Einzelfall, so Maria Kremer vom bischöflichen Generalvikariat in Fulda. „Es dient ausschließlich dazu, Gefahren für Leib und Leben, drohende Menschenrechtsverletzung oder individuell unzumutbare Härten für den Einzelnen abzuwenden.“ Kirchengemeinden beraten sich mit dem zuständigen Ordinariat oder Generalvikariat. Kommt es zum Kirchenasyl, übernimmt das Kommissariat der katholischen Bischöfe des Landes Hessen die Kommunikation mit den zuständigen staatlichen Stellen. (nde)

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