Gründung der Gemeinnützigen Werkstätten Eschwege 1996

Vorzeigewerkstatt wird 20 Jahre

Erfolgsmodell. Aufwind-Vorstand Matthäus Mihm (links) hat die GWE vor 20 Jahren mitgegründet. Beschäftigten wie Klaus-Dieter Breitbarth (Mitte), und Hartmut Vaupel (rechts) gibt die Arbeit in den GWE gesundheitliche Stabilität und persönliche Entwicklungsmöglichkeiten. Fotos: Weber

Eschwege. Mit sechs Mitarbeitern hat es angefangen, heute sind es 38: Die Gemeinnützigen Werkstätten Eschwege bestehen seit nunmehr 20 Jahren.

Es begann klein, mit nur zwei Betreuern und sechs Beschäftigten. Der Startschuss für die Gemeinnützigen Werkstätten Eschwege (GWE) fiel 1996 in der Bremer Straße – vor genau 20 Jahren. Damals, noch unter dem Dach des Vereins „Partner für psychisch Kranke“, der seit 1999 Aufwind heißt, wurde eine Werkstatt gegründet als Rehabilitationsmaßnahme für Menschen mit seelischer Behinderung.

Heute arbeiten in den GWE an drei Standorten in Eschwege und Witzenhausen 38 hauptamtliche Betreuer und 165 Beschäftigte. In zwanzig Jahren haben die Werkstätten für über 60 Kunden aus Industrie, Handwerk und Wirtschaft als Dienstleister gearbeitet.

Die Ziele

Ziel der GWE ist es, Menschen mit psychischen Erkrankungen in den Arbeitsprozess wieder einzugliedern. In den Werkstätten arbeiten sie in einem geschützten Bereich, in dem auf ihre Erkrankung eingegangen werden kann. „Wir waren damals die Ersten in Hessen, die eigenständige Werkstätten für Menschen mit seelischen Behinderungen, also unabhängig von körperlichen Behinderungen, gründen durften“, sagt Matthäus Mihm, Vorstandsmitglied von Aufwind. Der erste Auftrag bestand darin, Kleiderbügel mit Haken zu versehen, und das schon in großen Stückzahlen.

Wie groß der Bedarf war, weitere Plätze für Beschäftigte einzurichten, zeigte sich sehr bald. Schon 1997 wurde am Baumesrain in Eschwege, hinter Stiebel Eltron, ein Neubau errichtet, der 60 Werkstattplätze für Menschen mit seelischer Behinderung bereitstellte – finanziert unter anderem durch den Landeswohlfahrtsverband Hessen, das Arbeitsamt und das Diakonische Werk Kurhessen-Waldeck. Bei der Grundsteinlegung mit dabei war neben Matthäus Mihm auch der damalige Diakoniepfarrer Karl-Heinz Werner, der als eine Art väterlicher Freund den Verein und seine Projekte nach Kräften unterstützte. „Der erste Auftrag der Werkstätten am Baumesrain bestand darin, Bilderrahmen für Becker und Hach zu montieren“, erzählt Rolf Eckhardt, der heute die GWE leitet.

Schlag auf Schlag

Weiter ging es Schlag auf Schlag. 2001 war die Betriebsstätte für 80 Beschäftigte schon zu klein geworden, sodass eine zweite Betriebsstätte in der Thüringer Straße hinzukam. Hier wurden die Räumlichkeiten und Lagerhallen der Firma Sauer mit viel Eigenleistung umgebaut. 2005 richteten die GWE in Kooperation mit den Werraland-Werkstätten einen Standort in Witzenhausen ein, um für die Beschäftigten aus diesem Kreisteil die Wege abzukürzen. Zu den Integrierten Betriebsstätten Witzenhausen kam dann auch das „Gastwerk“ mit seinem Angebot als Bistro hinzu.

Die GWE sind mit ihren arbeitsbegleitenden Maßnahmen und angepassten Arbeitsplätzen einesteils Dienstleister für regionale Firmen in Fertigung, Montage und Verpackung. „Unser großer Vorteil ist, dass wir schnell und flexibel reagieren können, ob große Stückzahlen oder kleine oder sogar Sonderaufträge“, sagt Rolf Eckhardt. „Wir sind breit aufgestellt, das ist das Plus für die Beschäftigten. Dadurch können wir ihnen Arbeiten mit vielen unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden anbieten, die sie je nach ihren Möglichkeiten nutzen können.“

Seit vier Jahren sind die GWE aber auch Bildungsträger, qualifizieren in ihrem Berufsbildungsbereich Menschen, die durch Projekte der Agentur für Arbeit zu ihnen kommen.

Gesellschaftlicher Prozess

Wir haben in zwanzig Jahren einen gesellschaftlichen Prozess durchgemacht“, sagt Matthäus Mihm. „Vorurteile gegenüber Menschen mit psychischen Erkrankungen haben sich weitgehend aufgelöst.“ Die Gegenwart und Zukunft der Werkstätten wird deshalb durch das große politische Ziel der Inklusion bestimmt. „Wir haben in den vergangenen Jahren die Anzahl der Außenarbeitsplätze stark ausgebaut“, sagt Rolf Eckhardt. „Das bedeutet, dass hierbei Menschen mit dem Status eines Werkstattbeschäftigten in regulären Betrieben arbeiten.“ Auf diesem Wege können sie sich dem Arbeitsmarkt annähern, können aber auch, wenn sie in eine gesundheitliche Krise geraten, in die Werkstatt zurückkehren.

Von Kristin Weber

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