Gründung mit 56 Schülern

Friedrich-Wilhelm-Schule in Eschwege feiert im November das 175-jährige Bestehen

Festschrift: Corinne Iffert und Dr. Hans-Joachim Vock haben gemeinsam mit vielen anderen Autoren im Archiv der Friedrich-Wilhelm-Schule die Vergangenheit des Gymnasiums erforscht. Foto: Sagawe

Eschwege. Ernst Mensing war der erste Schüler, der in der langen Liste auftaucht. Er wurde am 26. Oktober 1840 eingeschult. Bis zum 31. März 1846 besuchte er die Friedrich-Wilhelm-Schule in Eschwege. Nach den Herbstferien feiert das Gymnasium Jubiläum – 175 Jahre nach der Gründung.

Ernst Mensing war einer von 56 Schülern des ersten Jahrgangs an der neu gegründeten Friedrich-Wilhelm-Schule. Knapp 14 500 weitere folgten bis heute. Alle Namen tauchen in der 316-seitigen Festschrift auf, die zum Jubiläum mit einer Auflage von 1000 Stück erschienen ist und während der Jubiläumswoche vom 9. bis zum 13. November verkauft wird.

„Die Inhalte reichen von einer pädagogischen Standortbestimmung bis zu historischen Abhandlungen“, beschreibt Schulleiter Dr. Hans-Joachim Vock die Festschrift. „Das Besondere sind die vielen Aufsätze von Schülern“, erklärt Corinne Iffert, die die Chronik redaktionell begleitete.

Beim Blick in das Archiv weckten auch Beschwerdebriefe an die Schulleitung das Interesse der Buchautoren. 1930 machte ein Vater „den überheizten Prüfungsraum“ für das Scheitern seines Sohnes verantwortlich.

1950 schrieb die Landesgewerkschaft freier Berufe, dass ein Schüler „bei öffentlichen Veranstaltungen gegen Geld musiziert“ und damit Berufsmusiker in Not bringe. Ein kritischer Blick ist in die NS-Zeit gerichtet. 1932 beschwert sich der Vater eines jüdischen Mädchens über die rassistische Diskriminierung seiner Tochter durch Friedrich-Wilhelm-Schüler. Zwei Jahre später verlangt der damalige Eschweger Bürgermeister das Einschreiten der Schulleitung, weil „nach Einbruch der Dunkelheit Schüler auf der Straße herumlungern“.

Die Gründung der Friedrich-Wilhelm-Schule geht auf den Wunsch „der aufstrebenden Eschweger Bürgerschaft, der Handwerksmeister der prosperierenden Lohgerber- und Wollwebereien sowie der Beamten“ zurück, die „nach einer über das Kleinbürgerliche hinausführenden Schulbildung für ihre Söhne“ verlangten. Im kurhessischen Ministerialbeschluss vom 6. Februar 1839 wird verfügt, dass Eschwege geeignet ist „für die Einrichtung eines Progymnasiums“.

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