Geschäftsbetrieb wird fortgeführt

Eschweger Traditionsunternehmen Grüning meldet Insolvenz an

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Meldet Insolvenz an: Jochen Grüning.

Eschwege. Das Eschweger Traditionsunternehmen Elektro-Grüning hat Insolvenz angemeldet. Geschäftsführer Jochen Grüning gibt als Grund „drohende Zahlungsunfähigkeit“ an. Als Ursache nennt Grüning „unter anderem Zahlungsausfälle und auch eigene Fehler“. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde der Kasseler Rechtsanwalt Dr. Mario Nawroth bestellt.

Die Firma Grüning wurde 1919 gegründet und besteht in der vierten Generation. Aktuell werden 25 Mitarbeiter beschäftigt. „Der Geschäftsbetrieb wird uneingeschränkt fortgeführt“, erklärte Insolvenzverwalter Dr. Nawroth gestern. Und weiter: „Ich bin bestrebt, den Betrieb zu erhalten und sehe durchaus eine Fortsetzungsperspektive.“

Nach Angaben Nawroths ist die Zahlung von Löhnen und Gehältern über das Insolvenzausfallgeld durch die Arbeitsagentur gesichert. Die Hintergründe der Zahlungsunfähigkeit würden gerade recherchiert, so die Erklärung. Genauere Erkenntnisse lägen noch nicht vor, die Einnahmen hätten die Ausgaben nicht gedeckt.

Jochen Grüning, der nach wie vor die Geschäfte führt, betont, dass der Betrieb ohne Einschränkungen weiterlaufe. Momentan würden Aufträge mit einem Volumen von 200 000 Euro abgearbeitet. Ein weiterer Großauftrag stehe in Aussicht. „Darüber verhandele ich gerade“, so Grüning gestern.

Die Ursachen und Gründe für die Schieflage des Unternehmens sind nach Angaben von Geschäftsführer Grüning vielfältig. Neben kompletten und teilweisen Zahlungsausfällen sowie persönlichen Fehlern nennt er auch die Konkurrenz mit dem Internethandel und Unternehmen im benachbarten Thüringen. „Das ist ein harter Wettbewerb“, sagt er. Der Tariflohn-West liege drei bis vier Euro pro Stunde über dem, was in den östlichen Bundesländern gezahlt werde.

Auf dem Handelssektor müsse der Internetkonkurrenz standgehalten werden, die mit deutlich weniger Aufwand Waren anbiete. Rund 30 Prozent des Umsatzes erzielt Grüning nach eigenen Angaben mit dem Verkauf von Beleuchtung und sogenannter weißer Ware.

Einen weiteren Grund für außerordentliche finanzielle Belastungen sieht Grüning im Personal. Langfristige Krankheitsfälle hätten kompensiert werden müssen, ebenso der Verlust von Mitarbeitern durch deren Wechsel in die Industrie.

Von Harald Sagawe

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