Niederhöner Kirche wird ab Mai renoviert - Große Schäden an Dachstuhl und Decke

Hausbock unterm Dach

Pfarrer Anton Becker zeigt den Hausbockbefall: Der Käfer, der auch Balkenbock genannt wird, hat hier ganze Arbeit geleistet.

Niederhone. Der Schaden ist nicht neu, sondern seit rund zwölf Jahren bekannt. Damals hatte Anton Becker, der Pfarrer der Kirchengemeinde Niederhone, einen Sachverständigen kommen lassen, weil es ständig in seine Kirche hineinregnete.

Pfarrer Anton Becker vor dem Schmuckstück: Die Niederhöner Kirche stammt in Teilen schon aus dem Jahr 1508. Das Kirchenschiff, dessen Dachstuhl nun Sorge bereitet, stammt von 1896 und wurde seinerzeit an den Turm angesetzt. Fotos: W. Skupio

Ursächlich dafür war die undichte Kehle, eine Kante am Dach, wo einzelne Dachflächen des Kirchenschiffs aufeinandertreffen. Der Gutachter kam zu einem alarmierenden Ergebnis: Die Reparatur der Kehle lohne schon deshalb nicht, weil der ganze Dachstuhl vom Hausbock befallen sei und deshalb samt Decke komplett erneuert werden müsse, so der Experte. Der Schädling hat manche Balken bereits zu einem Drittel weggefressen. Eine Schädlingsbekämpfung wäre daher nicht mehr ausreichend.

„Nur beschädigte Balken auszutauschen, hat auch keinen Sinn“, sagt Becker. Denn beim Austausch eines Balkens müssen die restlichen Balken und Hölzer im Umkreis von 150 Zentimeter sicherheitshalber mit entfernt werden. Im Dachstuhl der Kirche steht man nach 150 Zentimeter aber meist vor dem nächsten Balken, der ebenfalls befallen ist.

Weil die Sanierung aber mit stolzen 660 000 Euro zu Buche schlägt, wurden die Arbeiten verschoben, um vorher die Finanzierung des Projekts zu gewährleisten. „Es hat bis jetzt gedauert, nun aber steht die Finanzierung, wenn auch auf wackeligen Beinen“, erklärt Pfarrer Becker. Dabei würden sich sowohl die Landeskirche, als auch der Kirchenkreis weit über das normale Maß hin finanziell an der Sanierung beteiligen, berichtet er.

Das war 1896 anders. Als damals die alte Kirche erweitert und im neugotischen Stil ausgebaut wurde, kostete der Bau 40 000 Goldmark, nur 5 000 davon bezahlte die Landeskirche. Den Rest spendeten großzügige Gemeindemitglieder. Logistisch verlangt die Sanierung Becker und der Kirchengemeinde einiges ab.

Der Gottesdienst wird für ein Jahr - so lange sollen die Sanierungsarbeiten dauern -verlegt. Er wird teilweise im Gemeindehaus stattfinden, aber auch in der Nachbargemeinde Oberhone oder bei schönem Wetter im Grünen. Die Kirchenbänke möchte Becker am liebsten in der Kirche lassen, abmontiert an die Seite gestapelt. So wären sie nach der Sanierung gleich wieder an Ort und Stelle und würden nicht andernorts im Wege stehen. „Das Gemeindehaus ist jetzt schon voll, eine Alternative wäre eine Scheune, da holt man sich den Holzschädling aber im Zweifel direkt wieder in die Kirche“, sagt Becker.

Die Orgel verbleibt fast vollständig in der Kirche. Sie wird zum Schutz während der Bauarbeiten eingehaust, man baut also eine Art Koffer um das Instrument. Eines liegt Becker aber besonders am Herzen. „Wenn ich von den Bänken auf die Buntglasfenster des Altarraumes sehe, bemerke ich täglich neue Schäden und auch, dass sich bereits vorhandene wieder vergrößert haben“, klagt er.

Deshalb möchte der Seelsorger die alten Fenster gleich mit renovieren lassen, dafür aber fehlt noch das Geld.

Kirchenauszugsfest mit Harmonic Brass-Konzert

18 000 Euro würde die Reparatur der Fenster kosten, einen Teil des Geldes hat die Gemeinde schon beisammen. „Wenn wir am 28. April offiziell aus der Kirche ausziehen, veranstalten wir ein großes Fest. Pröbstin Katrin Wienhold-Hocke wird den Gottesdienst halten und Harmonic Brass München geben ein Wohltätigkeitskonzert“, erzählt Becker. Der Erlös kommt dann der Fensterrenovierung zu Gute. Karten für das Konzert der Weltklasse-Blasmusiker sind bereits jetzt in der Buchhandlung Braun, dem Kirchenkreisamt oder direkt im Pfarramt erhältlich.

Auch die Architektin wird vor Ort sein und über die geplanten Arbeiten informieren. „Wenn alles gut geht, können wir Ostern im nächsten Jahr vielleicht schon wieder in der Kirche feiern“, hofft Becker.

Von Wolfram Skupio

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