Wegen Erhöhung der Haftpflichtbeiträge

Hebammen befürchten das Aus im Werra-Meißner-Kreis

Witzenhausen. Im Juli werden erneut die Haftpflichtbeiträge für Hebammen erhöht: Die freiberuflichen Hebammen im Werra-Meißner-Kreis werden dann Geburtshilfe kaum noch anbieten können. Das sagt die Vorsitzende des Hessischen Hebammenverbandes, Gabriele Kopp.

Sie befürchtet massive Einschnitte bei allen Angeboten, denn die Versicherungswirtschaft habe angekündigt, ab 2015 keine Berufshaftpflichtversicherung mehr anzubieten.

Die Hebammen werden gezwungen sein, sich in Nischen zurückzuziehen. „Wenn die Geburtshilfe wegfällt, können die Hebammen nur noch Schwangerschaftsvorsorge, Nachbetreuungen sowie Wochenbettbesuche anbieten“, kritisiert Kopp. Für sie ist eine schnelle politische Lösung wie beispielsweise ein staatlich finanzierter Haftungsfonds der letzte Ausweg.

Dieser werde derzeit in Berlin diskutiert, sagt Dr. Edgar Franke, SPD-Bundestagsabgeordneter und Vorsitzender des Gesundheitsausschusses. Im Koalitionsvertrag sei eine Lösung für die Haftpflichtproblematik der Hebammen enthalten, und im Bundesgesundheitsministerium werde daran gearbeitet, sagt der Gesundheitspolitiker.

Schon seit zwei Jahren gibt es nach der Schließung der Geburtsstation Witzenhausen im Landkreis nur noch die Möglichkeit der Hausgeburt für Familien, die außerklinisch ein Kind entbinden wollen, sagt Ingrid Vogelei, freiberufliche Hebamme aus Witzenhausen. Für Juli haben die Versicherer eine Erhöhung der Beitragssätze um 20 Prozent von 4242 auf 5090 Euro jährlich angekündigt. „Hebammen können sich das nicht leisten“, stellt Vogelei fest. Dabei würde sie sehr gerne weiter Geburtsbegleitungen anbieten. Dies sei nicht nur ureigene Hebammenaufgabe, sondern auch existenziell wichtig. „Ohne Geburtshilfe komme ich wirtschaftlich nicht über die Runden.“

Die Berufshaftpflicht explodiere wegen des exorbitanten Anstiegs der Kosten bei Personenschäden. Die Häufigkeit der Schadensfälle sei aber stabil bis rückläufig, so der Deutschen Hebammenverband (DHV). Nach Angaben des Verbandes entstanden 1998 für ein bei der Geburt schwerstgeschädigtes Kind Kosten für die Krankenkassen von 340.000 Euro. Ein solcher Fall kostete 2008 2,88 Millionen Euro, errechnete der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft. In Deutschland entbinden zwei Prozent aller Schwangeren außerklinisch. Im Landkreis arbeiten fast alle Hebammen freiberuflich. Eine genaue Zahl konnte das Gesundheitsamt nicht nennen.

Von Jonathan Vorrath und Damai D. Dewert

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