Für Abdifatah Mursal aus Somalia gibt es kein Zurück

In der Heimat droht der Tod

Schaut in eine ungewisse Zukunft: Seit Januar lebt Abdifatah Muhammed Mursal (links) im Asylbewerberheim in Eltmannshausen. Mit dem Eschweger Dahir Mohamud Ahmed hat er sich angefreundet. Ahmed hilft ihm als Dolmetscher. Foto: Lasse Deppe

Eltmannshausen. Sein schweres Schicksal merkt man Abdifatah Muhammed Mursal so leicht nicht an. Ein ständiges breites Grinsen steht in seinem Gesicht. Dabei hätte der 39-Jährige viel Grund zu klagen: Seit über zwei Jahren hat Mursal seine Frau und seine Kinder nicht mehr gesehen. Aus seiner Heimat Somalia musste er in Todesangst fliehen, Seit Januar lebt er im Asylbewerberheim in Eltmannshausen.

Mursal stammt aus der somalischen Hauptstadt Mogadishu. Den Alltag in der Metropole am Indischen Ozean bestimmt seit mehr als zwanzig Jahren der Bürgerkrieg. Fallende Bomben gehörten für Mursal ebenso zum Alltag wie Leichen, die die Straßen seiner Heimatstadt säumten. „Ich kenne das dort nicht anders. Jeder macht was er will, Gesetze gibt es nicht“, sagt er. Die militante islamistische Bewegung Al-Shabaab, inzwischen ein Teil des Terrornetzwerkes Al Qaida, unterdrückte ihn und viele andere Somalier.

Um seine Familie in Kriegszeiten ernähren zu können, betrieb Abdifatah Mursal eine Art Spielsalon, in dem Menschen gegen eine kleine Gebühr Playstation spielen und Filme angucken konnten. Doch der Spielbetrieb war den Milizen ein Dorn im Auge. Weil er nach ersten Drohungen das Geschäft nicht aufgab, wurde er verhaftet und ohne Gerichtsverhandlung in ein Gefängnis gesteckt. Von dort gelang ihm zwar die Flucht, doch aus Angst kehrte er nicht zu seiner Familie zurück. Eine weitere Festnahme hätte umgehend zu einer Todesstrafe geführt, ist sich Mursal sicher. Das sei die Folge der fehlenden ordentlichen Gerichtsbarkeit in seiner Heimat.

18 Monate auf der Flucht

Unterstützung fand der Somalier in dieser Zeit bei seinen Freunden. Die sammelten Geld und bezahlten eine Schleuserbande, die Mursal in Sicherheit bringen sollte. Und so gelang ihm die Flucht. Über Äthiopien und den Sudan erreichte er Libyen, von wo aus er mit einem überfüllten Flüchtlingsboot ins italienische Lampedusa übersetzte. Über den Umweg Schweden landete er nach anderthalbjähriger Reise in der Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge in Gießen. Zur Unterbringung wurde Mursal dort dem Werra-Meißner-Kreis zugewiesen, wo er jetzt gemeinsam mit anderen Somaliern in Eltmannshausen lebt.

Mit seiner Familie – seiner Frau, seiner 13-jährigen Tochter und seinem dreijährigen Sohn – telefoniert Abdifatah Mursal täglich. So bald wie möglich möchte er seine Familie ebenfalls nach Deutschland holen. Er träumt von Arbeit und einem sicheren Leben. Seine Heimat bietet beides nicht.

Von Lasse Deppe

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