Organisatoren sind mit einer "Schar bekannter Schauspieler" im Gespräch

Hersfelder Festspiele zeigen Spektakel über den "Erfinder der Deutschen"

Mit Lutherfigur von Playmobil: Intendant Dieter Wedel in Bad Hersfeld. Foto:  Landsiedel

Bad Hersfeld. Intendant Dieter Wedel entwickelt ein Theaterstück zu Martin Luther mit mehreren Darstellern für die Hauptfigur, Live-Kameras, Musik und zahlreichen Kleindarstellern.

Gottsucher, Wutbürger, kraftvoller Prediger - eine der widersprüchlichsten Figuren der deutschen Geschichte steht im Zentrum der Bad Hersfelder Festspiele im kommenden Jahr: Martin Luther. Intendant Dieter Wedel schreibt und inszeniert ein Luther-Stück unter dem Titel „Martin Luther - Der Anschlag“.

„Es gibt kein renommiertes Lutherdrama“, sagte Wedel bei der Spielplanvorstellung am Freitag in Bad Hersfeld. Das Hersfelder Stück wird derzeit von Wedel mit Fachleuten und Autoren wie John von Düffel erarbeitet. Auch mit einer „Schar bekannter Schauspieler“ sei man im Gespräch, so Wedels Stellvertreter Joern Hinkel.

Der Kirchenreformator hatte in der Hersfelder Stiftskirche gepredigt, Trotz des Verbots des Kaisers, auf der Rückfahrt vom Reichstag in Worms, wo die Reichsacht (Ächtung) über ihn verhängt wurde. Die Aufführung in der Ruine der Kirche ereignet sich also an einem historischen Ort. Die Premiere ist mitten im Jubiläumsjahr 500 Jahre Reformation geplant für den 23. Juni. Dafür gibt es einmalig Zuschüsse des Bundes von 500 000 Euro.

„Der Name Luther ist interessanter als das, was er reformiert hat“, sagte Wedel, „er ist der Erfinder der Deutschen, er steht für alles, was deutsch ist: Fleiß, Verlässlichkeit, aber auch Obrigkeitshörigkeit und Antisemitismus.“ Auch, dass er so starke Verdauungsprobleme hatte, spiele eine Rolle. Er habe große Teile seines Lebens auf dem Abort verbracht, dass so jemand mit einem Teufel ringe, könne man sich vorstellen. „Das wird kein historischer Bilderbogen“, kündigte Wedel an, vielmehr gehe es unter anderem auch darum, deutlich zu machen, was Luther für heute bedeutet: Was würde Luther sagen angesichts der Grauen der Religionskriege im Nahen Osten?

Man denke darüber nach, den Reformator von mehreren Darstellern verkörpern zu lassen. Leinwände, Live-Kameras, Musiker kommen hinzu. Da man mit internationalem Publikum rechne, wird über eine Untertitelung nachgedacht.

Ebenfalls für eine Zeitenwende steht der Ozeanriese Titanic - sein Untergang 1912 trotz der zuvor angepriesenen Unsinkbarkeit, markiere „das Ende eines Fortschrittsglaubens“, so Wedel. Stefan Huber („Anatevka“) inszeniert das Musical „Titanic“ von Peter Stone / Maury Yeston. Auf seiner Jungfernfahrt riss das Schiff 1500 Menschen in den Tod. Premiere ist am 14. Juli.

Für Kinder schreibt Franziska Reichenbacher eine Theaterversion von „Das tapfere Schneiderlein“ nach dem Märchen der Brüder Grimm. „Eine Geschichte von Schein und Sein“, so Reichenbacher. Die Premiere des Stücks im Zelt ist wegen der Schulferien schon vor der Festspieleröffnung angesetzt: ab 13. Juni.

Wieder aufgenommen werden Wedels Inszenierung von Arthur Millers Schauspiel „Hexenjagd“ sowie das Musical „My fair Lady“.

Der Etat der Festspiele liegt 2017 zwischen 7,8 und 7,9 Millionen Euro, so Bürgermeister Thomas Fehling.

Die 67. Bad Hersfelder Festspiele  finden vom 23. Juni bis 20. August 2017statt. Der Kartenvorverkauf beginnt in der nächsten Woche, am 24. November, um 9 Uhr im Ticket-Service am Markt in Bad Hersfeld und sowie online.

Frühbucherrabatt bis 31. Dezember. Die Zuschauertribüne und die Eingänge werden zur nächsten Saison erneut umgebaut, Zugänge verbessert und die Platzkapazität in der Stiftsruine erhöht: von 1285 auf 1329 Sitzplätze.

Von Bettina Fraschke

Kommentare