Hilfsgüter verteidigt und übergeben

Glückliche Gesichter. Trotz ärmlichster Verhältnisse seien die Kinder des Heimes in Razliv durchweg fröhlich, aber sehr liebebedürftig gewesen, sagt Heike Koeberich-Braun.

Hilfe für die, die Hilfe benötigen – die Schwestern Heike Koeberich-Braun und Karin Perels aus Eschwege haben einen Gütertransport nach Bulgarien organisiert und begleitet. Belohnt wurden sie durch dankbare Kinder. Für Ärger sorgten derweil Einheimische.

Am Ende mussten wir Spenden ablehnen, weil einfach nichts mehr in den Lkw passte“, sagt Heike Koeberich-Braun und lobt die Spendenbereitschaft der Mitbürger ihrer Eschweger Heimatstadt. Parallel zu dem vollgepackten 20-Tonner reiste die 54-Jährige Mitte Oktober gemeinsam mit ihrer Schwester Karin Perels ins bulgarische Razliv, dem Bestimmungsort der Hilfsgüter. Dort kamen sie zwei Tage vor dem Lkw an und erlebten aufregende Tage in einem Kinderheim des Ortes. „Diese Kinder waren durchweg fröhlich und einfach wahnsinnig liebebedürftig“, sagt Koeberich-Braun. Und so spielten und tanzten sie mit den 7- bis 17-Jährigen, die zum Großteil den Roma angehören.

Als der Gütertransport nach zwei langen Tagen des Wartens endlich sein Ziel erreichte, war die Freude zwar groß, dass Verhalten der Einwohner des Ortes aber hinterließ einen faden Beigeschmack. Denn kaum waren die vielen Kleidersäcke ausgeladen, fuhren diese mit Autos vor, zerrissen die Säcke und durchwühlten die Kleiderspenden, um sich selbst damit einzudecken. Das konnte nur durch beherztes Eingreifen der beiden Eschwegerinnen verhindert werden. „Wenn wir nicht vor Ort gewesen wären, wäre vermutliches alles weg gewesen“, sagt Koeberich-Braun Doch auch so kann sie nicht garantieren, dass alle Güter ihren Bestimmungsort erreicht haben. Korruption gehöre dort eben zum Alltag. „Die Aktion war natürlich eine gute Sache, aber das System in Bulgarien muss sich einfach grundlegend ändern.“

Die Verhältnisse im Ort beschreibt Koeberich-Braun als ärmlich, ihre die Fotos die auf der Reise entstanden sind, unterstreichen dies. Kaputte, Straßen, streunende Hunde und mehr als baufällige Unterkünfte bestimmen das Stadtbild. Die 45 Kinder des Kinderheimes teilen sich vier Waschbecken. Das Betreuerteam beschäftige sich wenig mit den Kindern, Spielsachen seien so gut wie gar nicht vorhanden. Die Freude über die Hilfsgüter war dementprechend groß.

Am kommenden Samstag, 9. November, werden Heike Koeberich Braun und Karin Perels ab 15 Uhr in den Räumen des Jungen Theaters im E-Werk Bilder von ihrer Bulgarienreise zeigen.

Von Lasse Deppe

Kommentare