E-Werk: Kabarettist Mathias Deutschmann verwöhnt mit feinster Satire

Hintersinn am Cello

Der erhobene Zeigefinger ist nicht oberlehrerhaft, dient lediglich der Betonung einer Pointe.

Eschwege. Auf Carl-Theodor zu Guttenberg ist der Kabarettist Matthias Deutschmann ziemlich sauer. Da hatte er seinerzeit eine volle halbe Stunde Programm über ihn geschrieben - und dann tritt der Politiker einfach zurück. Frechheit.

So etwas deprimiert natürlich. Da muss man sich gleich mal hinsetzen und melancholisch auf dem Cello herumschrummeln. Dies beherrscht der Musiker Deutschmann virtuos. Auf dem Instrument lässt er die Tonfolgen ebenso fließen, wie er seine Sprache fließen lässt. Auf diese Weise wird auch sein Kopf zum Instrument, aus dem ein steter Strom virtuos komponierter Gedanken fließt. Überaus trocken aber mit zielsicherer Ironie führen sie zur Pointe hin.

Obwohl der Melancholiker Deutschmann diese dann nur wie zufällig fallen lässt. Auf dem Weg zur eigentlichen Pointe liefert er ganz nebenbei drei andere mit. Der Intellektuelle macht eben nicht viel Aufhebens - gerade, wenn es um den Humor geht. Laut zu Lachen wäre für ihn fast schon etwas Unanständiges.

Das Publikum im E-Werk dankt es deshalb auch mit einem nicht abreißen wollenden, untergärigen Schmunzeln. „Nach der ersten Darmspiegelung sieht man die Welt mit anderen Augen“, sagt Deutschmann in der nachdenklichen Pose des Philosophen. Ware Wort. Die Ü-50 Pointen treffen beim Eschweger Zielpublikum, Kabarettbesucher mit Bildungshintergrund, ins Schwarze. Satire vom Feinsten. Nicht zufällig ist die Lehrerschaft der Anne-Frank-Schule fast vollständig vertreten. „Der Papst war bei seinem Besuch in Deutschland sogar in Freiburg - da war die Hölle los, sag ich Ihnen.“ Die Erste Reihe geht im Programm erstaunlich gut mit. Das ist dem Melancholiker fast etwas unangenehm. Er fragt, ob sich ein VHS-Kurs auf den Kabarett-Abend vorbereitet habe? Die Strategie: „Versuchen, die Pointen möglichst frühzeitig zu erkennen und dann durch Lachen Verständnis vortäuschen.“ Deutschmann vergleicht Luther mit Buschido, fragt sich, ob man nach Brüderle eigentlich noch über frauenfeindliche Witze lachen dürfe. „Alice Schwarzer - früher noch Feministin, heute ein Frauenleiden“, sagt er, selbst mit Leidensmiene und schrummelt dann wieder gekonnt auf dem Cello herum. Folge man Sarazin, hätten die Indianer im Nordamerika des 19. Jh. eine verfehlte Einwanderungspolitik betrieben. Aber mit Guttenberg ist er noch nicht fertig, trotz Rücktritts.

Manche Pointen haben eben einen etwas längeren Nachklang. Damals hatte Guttenberg großen Rückhalt in der CDU gehabt, aber wer ausgerechnet habe sein Seil damals durchgeschnitten? Anette Schavan … Ein ironisches Lächeln bildet sich auf seinem Gesicht. „Kann man heute in der CDU noch promovieren?“ Reißt sich Angela Merkel irgendwann die Perücke vom Kopf und Hape Kerkeling kommt darunter zum Vorschein? „Und dann wird jeder sagen: Ich wusste immer, irgendetwas stimmt nicht mit der Frau.“

Von Kristin Weber

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