Anne Christine Alfter legt Ergebnisse ihrer Forschungsarbeit vor

Historikerin: Eschwege war keine Nazi-Stadt

Eschwege. Eschwege war eine Stadt im Nationalsozialismus und nicht eine nationalsozialistische Stadt. Zu diesem vorläufigen Ergebnis kommt Anne Christine Alfter in ihrer Forschungsarbeit über die NS-Vergangenheit der Kreisstadt. Gestern Abend präsentierte sie dem Hauptausschuss der Stadtverordnetenversammlung die Zusammenfassung ihrer Untersuchungen.

„Fünf Monate vor Beendigung des Projektes möchte ich so urteilen“, sagte die wissenschaftliche Mitarbeiterin Professor Dr. Winfried Speitkamps von der Universität Kassel. Eschwege habe Organisationen besessen wie den Werratalverein, in denen sich lokale Traditionen und Interessen mit nationalsozialistischer Begrifflichkeit und auch nationalsozialistischem Gedankengut vereint hätten, deren Jugendgliederungen aber selbstverständlich getragen gewesen seien von nationalsozialistischer Ideologie, weil die NSDAP hier das Monopol der Hitlerjugend durchgesetzt habe. „Innerhalb des Rahmens einer Stadt im Nationalsozialismus konnten aber durchaus persönliche Interessen und sachliche Überlegungen bei Entscheidungen vorherrschen“, erklärte Alfter.

Beispielhaft für das Leben im nationalsozialistischen Eschwege griff die Historikerin während ihres gestrigen Vortrags neben dem Werratalverein die Jugendgliederungen der Partei sowie Privatpersonen und den Alltag in der späteren Leuchtbergschule auf.

Dabei wurde deutlich, dass der nationalsozialistische Einfluss bis in die privatesten Entscheidungen hinein reichte. Gleichzeitig missbrauchten Anhänger des Regimes die ideologischen Zielsetzungen für ihre Zwecke und zur Diskreditierung missliebiger Konkurrenz. Beispiel: Die Tochter eines NS-Funktionärs versuchte eigene schlechte Leistungen zu kaschieren, indem sie ihre Lehrerin denunzierte und ihr vorwarf, jüdische Mädchen zu bevorzugen.  

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