Nordsee-Pipeline kostet wohl eine Milliarde Euro

Hölzel: Runder Tisch ist voreingenommen

Walter Hölzel

Beverungen / Witzenhausen. Zweifel an der Neutralität der Leitung des runden Tisches zur Werra-Versalzung hat der Vorsitzende der Werra-Weser-Anrainerkonferenz, Dr. Walter Hölzel. In einer Pressemitteilung kritisiert er, dass der Leiter Prof. Hans Brinckmann zu sehr auf den Bau einer Abwasser-Pipeline zur Nordsee fokussiert sei. Die Kosten dafür beziffert Hölzel auf etwa eine Milliarde Euro. So habe Brinckmann versucht, Vorträge von Experten über alternative Entsorgungswege bei der Kali-Produktion am runden Tisch zu verhindern.

Nur dank einer breiten politischen Unterstützung im Vorfeld der letzten Sitzung am Dienstag in Beverungen sei erreicht worden, dass zwei Gutachten vorgestellt wurden. Es waren Studien von Prof. Peter Quicker, der dazu von der Klagegemeinschaft der Werra-Anrainer beauftragt war, sowie vom Vorstand der K-UTEC AG, Dr. Heiner Marx.

Angesichts der Querelen im Vorfeld der Sitzung fragt sich Hölzel, „ob die Leitung des runden Tisches eine unvoreingenommene Prüfung der Alternativen ermöglichen wird. Die Erfahrungen der letzten Jahre und insbesondere die wissenschaftlich fragwürdigen Diskussionspapiere der letzten Monate lassen das Gegenteil befürchten.“

Zwar habe die Leitung des runden Tisches die Diskussion über die Chancen technischer Alternativen zur Versalzung von Werra und Weser mit einem Schriftstück im Mai 2013 neu angestoßen. Aber darin seien nur Gutachten enthalten, die zwischen 2008 und 2010 zu keinen brauchbaren Ergebnissen geführt hätten. Die neuen Studien von Prof. Quicker und Dr. Marx hingegen seien nicht berücksichtigt worden. Dabei zeigten sie Möglichkeiten auf, wie sich Abfälle aus der Kali-Industrie durch Eindampfung vor Ort vermeiden und wirtschaftlich verwerten lassen könnten.

„Wer immer behauptet, man könnte alle Abfälle lokal vermeiden und verwerten, wird damit rechnen müssen, dass diese Abfälle auf Dauer in der Werra landen.“

Dr. Christoph Ewen, Sprecher Runder Tisch

Dr. Christoph Ewen, Pressesprecher des runden Tisches, sieht das anders. Die Technik der Eindampfung sei 2008 in dem Gremium geprüft worden, sagte er auf Anfrage. Das Gutachten von Prof. Quicker enhalte keine neuen Erkenntnisse. Ziel des runden Tisches sei die Verbesserung der Wasserqualität von Werra und Weser einerseits und der Erhalt von Arbeitsplätzen andererseits. Bisher halte die Leitung des runden Tisches die Nordsee-Pipeline für die schlüssigste Lösung. „Aber wenn es andere Alternativen geben sollte, ist uns das auch recht“, sagte Ewen.

Für Hölzels neue Äußerungen zeigte er wenig Verständnis. „Wer immer behauptet, man könnte alle Abfälle lokal vermeiden und verwerten, wird damit rechnen müssen, dass diese Abfälle auf Dauer in der Werra landen“, sagte Ewen. (clm) HINTERGRUND

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