Hoher Meißner wird zum Filmschauplatz

Mittendrin. Malte Wienhues und Jakob Sporer auf der Holzbrücke, die über den Frau-Holle-Bach führt.

225 Millionen Jahre schauen Jakob Sporer und Malte Wienhues zurück in die Vergangenheit. Ihr Dokumentarfilm über den Hohen Meißner war ein Freizeitprojekt - und dient nun dem Naturpark als Informationsprodukt.

Von Lasse Deppe

Nebelschwaden wabern über den Frau Holle-Teich. Der Weg entlang des Eulenstiegs ist glitschig, dicke Tropfen fallen durch das Geäst des Waldes. „Typisches Meißner-Wetter“, sagt Malte Wienhues und klingt dabei nach 50 Jahren Wandererfahrung durch das Bergmassiv im Naturpark Meißner-Kaufunger Wald.

Doch Wienhues ist erst 15 Jahre alt und lebt weit entfernt vom Hohen Meißner im 450 Kilometer entfernten Husum, kurz vor der deutsch-dänischen Grenze. Gemeinsam mit seinem Freund Jakob Sporer aus Vockerode hat er einen beeindruckenden Dokumentarfilm über den Hohen Meißner gedreht. Über zwei Jahre haben beide an dem Projekt gearbeitet und dabei einen fortwährenden Lernprozess durchlaufen.

Sporer und Wienhues kennen sich über ihre befreundeten Eltern. Im Garten der Sporers in Vockerode begann die Filmleidenschaft mit einigen Zeitrafferaufnahmen. Um besser zu werden, übten sie am Schwalbenthal. „Da haben wir damals wahnsinnig viel Zeit verbracht“, sagt Wienhues. Während dieser frühen Versuche entstand auch die Idee, einen Dokumentarfilm zu drehen. Der Meißner bot sich allein der räumlichen Nähe wegen als Thema an.

Fortan reiste Malte Wienhues in jeden Ferien nach Vockerode, um mit Jakob Sporer an dem Projekt zu arbeiten. Häufiges Problem: das unbeständige Wetter am Meißner. „Eigentlich war es immer so, dass es schlecht war, wenn wir filmen wollten. Sobald wir am Schnitt saßen, kam die Sonne raus.“ Doch von widrigen Wetterbedingungen ließen sich beide nicht abbringen. Tag für Tag verbrachten sie auf dem Meißner, wo viele Stunden Filmmaterial entstanden. Technisches Wissen eigneten sie sich durch Ausprobieren selbst an. Viele Einstellungen drehten sie mehrfach. „Gerade die Aufnahmen aus dem ersten Jahr konnten wir fast alle wegschmeißen und neu drehen“, sagt Jakob Sporer. Irgendwann kauften sie sich eine bessere Kamera, die Qualität der Aufnahmen wurde zufriedenstellend. Was nun noch an Wissen fehlte, sammelten sie sich im Internet zusammen. Ein kleines Tonstudio bauten die Jungen mit Noppenschaumstoff kurzerhand selbst.

Nur selten ließen sie sich von Jakob Sporers Eltern fahren, vor allem zu Beginn des Projektes waren sie fast ausschließlich zu Fuß unterwegs. Als Orientierung half eine Karte, die sich jedoch auch nicht immer als verlässlich erwies. „Da haben wir uns ganz schön oft verlaufen“, erzählt Jakob Sporer und erinnert sich an einen Nachmittag, an dem beide sechs Stunden brauchten, um den höchsten Punkt des Bergmassivs zu finden – sie hatten ihn stundenlang umkreist.

„Wenn man zu Fuß unterwegs ist, entdeckt man immer wieder neue Motive“, sagt Sporer, der die Waldorfschule in Eschwege besucht. Doch um Zeit zu sparen, stiegen die Jungen im Laufe der Zeit aufs Fahrrad um. „Und schon braucht man für manche Wege nicht mehr 45, sondern nur noch fünf Minuten“, sagt Wienhues. Und auch die Orientierung im Naturpark wurde mit der Zeit stetig besser. Die GPS-Funktion des Handys brauchen sie so gut wie nie, verlaufen haben sie sich schon lange nicht mehr. „Natürlich kennen wir lange noch nicht alle Wege, aber viel fehlt wohl nicht mehr.“ Als Lieblingsort auf dem Meißner hat sich bei den Dreharbeiten die Kalbe entwickelt. „Total irre. Kein Mensch weit und breit und ein toller Blick in die Ferne oder auf die Blocksteine“, schwärmt Wienhues.

Um die richtigen Aufnahmen für ihren Film zu bekommen, mussten sich beide viel in Geduld üben. Der Meißner erwies sich nicht immer als zuverlässiger Hauptdarsteller. Mehr als ein Dutzend Mal machten sich die jungen Filmemacher früh am Morgen auf, um Aufnahmen des Sonnenaufgangs zu machen. „Dreimal hatten wir Glück und man konnte die Sonne sehen, ansonsten: nur Nebel“, sagt Malte Wienhues und ergänzt, „kein Wunder bei 200 Nebeltagen im Jahr.“ Meißner-Wetter eben.

Ganz ohne Hilfe ging es für die beiden Schüler aber auch nicht. Bergbaufachmann Harry Träger half ebenso mit historischen Bildern aus, wie der Hessische Rundfunk, der Aufnahmen von den Stinksteinen zur Verfügung stellte. „Dafür nehmen die normalerweise Geld, aber weil wir noch so jung sind, haben wir die kostenlos bekommen“, sagt Wienhues.

Das Ergebnis von mehr als zwei Jahren Recherche, Film- und Tonaufnahmen und Endproduktion ist ein 43-minütiger Film, der kaum Fragen über den Hohen Meißner offen lässt. Unterteilt in sieben Kapitel geht es über Geologie, die Sagen- und Märchengestalt Frau Holle oder den Bergbau in früheren und modernen Zeiten um alles, was den Hohen Meißner einst und heute geprägt hat. Beeindruckende Naturaufnahmen, darunter spektakuläre Sonnenaufgänge in Zeitraffer und selten gesehene Luftaufnahmen schmücken die Dokumentation, ebenso wie selbst erstellte Grafiken. Mehrfach kommen Experten zu Wort, die Geologie oder Historie des Meißner erklären.

Begeistert von dem Film ist auch Naturpark-Geschäftsführer Marco Lenarduzzi. Er ließ den Film auf die Internetseite des Naturparks stellen. „Allein der Antrieb so etwas zu machen ist für junge Menschen in diesem Alter bemerkenswert. Wenn man sich dann noch den Aufwand vor Augen führt, der zur Umsetzung betrieben wurde, kann man das nur loben“, sagt Lenarduzzi. Die jungen Regisseure selbst geben sich derweil noch nicht zufrieden. „Man sieht immer was, was man noch verbessern könnte“, sagt Sporer. Im nächsten Jahr würden sie gerne im Harz drehen. „Aber es muss auch nicht immer nur Natur sein“, sagt Wienhues. Zeit etwas anderes zu probieren, bleibt den Jungen aber noch genug.

Wer die DVD haben möchte, kann sich per Email an wiemalte@yahoo.de an Malte Wienhues wenden. Der Naturpark Meißner Kaufunger Wald stellt den Film zur kostenlosen Ansicht auf naturpark-mkw.de zur Verfügung.

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