Rentnerin Angelika Herweg ist auf Besuche bei der Tafel angewiesen

„Ich hätte heulen können“

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Seit einigen Monaten kommt die 54-jährige Rentnerin Angelika Herweg jede Woche, um sich bei der Eschweger Tafel zusätzlich mit Lebensmitteln einzudecken.

Eschwege. 580 Euro Rente erhalten Erwerbsunfähige im Werra-Meißner-Kreis durchschnittlich. Mit diesem Betrag muss auch die Rentnerin Angelika Herweg aus Schwebda jeden Monat zurechtkommen. Die 54-Jährige erhält seit fünf Jahren eine Erwerbsunfähigkeitsrente.

„Wegen der Rente habe ich keinen Anspruch auf andere Sozialhilfen“, sagt sie. Lediglich 46 Euro Zuschuss für die Mietkosten bekomme sie. Nach Abzug aller Nebenkosten blieben ihr dann genau 170 Euro im Monat zum Leben. „Das reicht natürlich hinten und vorne nicht“, sagt Angelika Herweg.

Einen Tipp, wie man mit so wenig Geld über die Runden kommt, hat sie nicht. „Wenn ich den nur hätte“, sagt sie und lacht. Hart sei es schon mit so wenig über die Runden kommen zu müssen. Sie müsse eben sehr gut und genau haushalten. Um den Überblick zu behalten, teilt sie das Geld in Wochenrationen auf Briefumschläge auf. So weiß sie immer wie viel sie in der jeweiligen Woche noch ausgeben kann.

„Hier bekommt man auch mal Lebensmittel, die man sich sonst gar nicht leisten kann.“

Angelika Herweg

Seit dem Sommer nutzt die 54-Jährige zudem regelmäßig den Service der Eschweger Tafel und lässt sich ihre Einkaufstasche füllen. „Hier bekommt man auch mal Lebensmittel, die man sich sonst gar nicht leisten kann“, sagt sie. Und diesmal gab es neben einer riesigen Zucchini auch noch einen Zierkürbis für die Herbstdekoration. Beides waren zusätzliche Spenden, die die Tafel von Kirchengemeinden und Kindergärten während der Erntedankfest-Aktion gespendet bekommen haben.

Sich bei der Tafel Lebensmittel abzuholen, dafür schämt sie sich nicht. „Es ist nicht schlimm, wenn man Hilfe braucht, dazu kann man stehen.“ Dennoch, das erste Mal herzukommen fiel ihr nicht leicht. „Beim ersten Mal hätte ich heulen können, so Elend hab ich mich gefühlt“, beschreibt die Rentnerin. Doch sie musste da nicht allein durch, denn ihre Tochter Annett Haltenhof begleitet sie immer auf den wöchentlichen Touren zur Tafel in die Hindenlangstraße. „Meine Mutter hat ja auch kein Auto, ich fahre sie“, sagt die Tochter.

Das es vielen Rentnern schwer fällt sich bei der Tafel oder dem Sozialamt Hilfe zu holen könne sie gut nachvollziehen. „So ein Schritt fällt gerade älteren Menschen schwer“, sagt sie. Doch ihr geringes Einkommen zwinge sie einfach zur Tafel zu gehen, denn schon Alltagsartikel wie Kaffee, Wurst, Zahnpasta und Duschgel seien sehr teuer. Im Sommer hat sie sich von ihrem Mann getrennt und allein mit der schmalen Rente kommt sie nicht zurecht. Besonders schlimm sei es, dass sie ihren drei Enkeln nicht mal eben so ein Geschenk kaufen kann.

Von Diana Rissmann

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