„Ich halte lieber den Mund“

Grafiker und Filmemacher Heinrich Kästle feiert heute seinen 80. Geburtstag

Wird heute 80: Der Filmemacher und Grafiker Heinrich Kästle feiert Geburtstag. Der Filmschnitt gehört noch heute zu den Leidenschaften des Eschwegers. Foto: Sagawe

Eschwege. Mehr als 50 seiner Filme wurden mit Preisen ausgezeichnet. Er hat die Videotechnik bei den Eschweger Schmalfilmamateuren etabliert, als sie noch ganz jung war.

Heinrich Kästle ist in der Freizeit begeisterter Filmemacher und war im Beruf Geschäftsmann und Grafiker mit eigenem Werbeatelier am Marktplatz. Am Samstag feiert der Eschweger Geburtstag. „Henner“, wie ihn Freunde und Bekannte nennen, wird 80.

„Der Club ist längst nicht mehr meine Welt“, sagt Kästle. Zu unterschiedlich seien die Auffassungen über die Filmerei und die Meinungen darüber, was ein guter Film ist und was nicht. Der Rückzug von dem Verein hat aber auch mit einer schweren Kehlkopferkrankung vor einigen Jahren und den damit in Verbindung stehenden Sprechproblemen zu tun. „Meine Meinung kundzutun, ist so anstrengend, dass ich lieber den Mund halte“, sagt Kästle, der in früheren Jahren nie müde wurde, seine Sicht der Dinge zu artikulieren – auch und vor allem, wenn es um die Filmerei ging.

„Ich schneide und vertone gerade die gesammelten Video-Werke einer netten Familie.“

Angefangen hat die ganz private Schmalfilmkarriere früh. Kästle war Pfadfinder und hielt die Fahrten seiner Gruppe auf Acht-Millimeter-Material fest. „Wir treffen uns noch immer alle zwei Jahre, immer an Pfingsten“, berichtet er. Später entstanden in erster Linie Dokumentationen. Spielfilme und experimentelle Aufnahmen kamen hinzu. 1956 drehte Kästle seinen ersten Film über Eschwege.

Erfolgreich war auch die Arbeit in der Foto- und Film-AG an der Friedrich-Wilhelm-Schule. Kästle leitete die Gruppe Ende der sechziger Jahre. Mit dem Erstlingswerk „Einbahnstraße“ sicherten sich die Schüler auf Bundesebene den ersten Preis in der Kategorie „Spielfilm“. Hobby und Beruf hatten bei Kästle oft gemeinsame Schnittmengen. Zahlreiche Filme entstanden im Auftrag. Insgesamt stehen mehr als 200 Streifen im privaten Archiv. Weit über 250 Filmrollen aus alten Zeiten warten auf den Schnitt. „Das wird wohl nie geschehen“, sagt Kästle.

Als Kästle ins Filmgeschäft einstieg, waren Acht-Millimeter-Streifen das Standardmaterial der Schmalfilmamateure. Später kamen Super 8 und die Tonfilmtechnik, schließlich VHS sowie Super VHS und anschließend High 8.

Filmschnitt gehört noch heute zu den Dingen, die der Achtzigjährige mit Leidenschaft tut. „Ich schneide und vertone gerade die gesammelten Video-Werke einer netten Familie“, erzählt er von seinem aktuellen Auftrag. Urlaub, Taufe, Hochzeit und Kirmes seien auf den Streifen und müssten jetzt in kurzen und zugleich fesselnden Sequenzen aneinandergefügt werden. Abschließend wird das alte analoge Filmmaterial auf einen digitalen Datenträger gezogen und kann dann auch auf modernen Geräten abgespielt werden.

Von Harald Sagawe

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