Unzufrieden mit der Inklusion

Lehrer schreiben 7-Punkte-Plan für besseres Lernen mit Behinderung

Menschen mit und ohne Behinderung lernen gemeinsam: Das soll durch Inklusion erreicht werden. Archivfoto: Uli Deck/dpa

Werra-Meißner. Weil die Lehrer des Landkreises unzufrieden mit der Umsetzung der Inklusionspolitik sind, haben sie eine Resolution verabschiedet: Mit einem 7-Punkte-Plan soll behinderten Schülern das Schulleben leichter gemacht werden. Fast alle Schulen im Kreis unterschrieben den Plan.

Lehrer im Werra-Meißner-Kreis sind unzufrieden mit der Umsetzung der Inklusion: Die Vision eines Unterrichts für beeinträchtigte Schüler an regulären Schulen erfülle sich derzeit nicht, so lautete der Tenor auf dem jüngsten Treffen des Gesamtpersonalrats beim Staatlichen Schulamt Bebra. Nun verfasste der Rat einen Forderungskatalog an die Landesregierung - mit den Stimmen der Schulpersonalräte beinahe aller Schulen im Landkreis.

„Wir erleben täglich, dass an unseren Schulen eine wirkliche inklusive Beschulung aller Schülerinnen und Schüler nicht stattfindet und unter den gegebenen Rahmenbedingungen nicht stattfinden kann“, sagt Johannes Batton. Der Vorsitzende des Personalrats ist Lehrer in Bad Sooden-Allendorf und Landesvorstand der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft.

Das Gremium fordert im Kern eine bessere Personalausstattung an den Schulen: Jeder Schule soll bei Bedarf eine sogenannte Doppelsteckung der Klassen möglich sein - also eine Doppelbesetzung durch Lehrer, die auf unterschiedlichen Niveaus unterrichten können. Weiter soll die Klassengröße auf 20 Kinder begrenzt werden, sämtliche Schulgebäude sollen barrierefrei werden und therapeutische Unterstützung, etwa durch Logopäden, soll vor Ort möglich werden.

Johannes Batton

Eltern und Lehrer bemängelten in der Vergangenheit häufig, dass an den Schulen zu wenige Förderstunden für beeinträchtigte Kinder angeboten werden. „Eine auf wenige Stunden in der Woche begrenzte und häufig sogar noch auf mehrere Schulen verteilte Unterstützungs- und Beratungstätigkeit ist unwirksam, zerreißt alle Beteiligten und nützt den Kindern nichts“, heißt es in der Resolution der Personalräte.

Problematisch sieht das Gremium offenbar auch den Stand der Ausbildung unter den Lehrern für die neuen Anforderungen. In ihrer Resolution fordern sie die Möglichkeit zur Fortbildung von Regelschullehrkräften zu Förderschullehrkräften bei voller Freistellung. Generell soll die Lehreraus- und Fortbildung auf die Anforderungen der Inklusion ausgerichtet werden.

Hintergrund der Forderungen: Beim Thema Inklusion herrscht im Landkreis Unzufriedenheit bei Elternräten und Lehrern. Laut dem Staatlichen Schulamt Bebra sollen künftig nicht mehr als vier Prozent aller Schüler auf Förderschulen unterrichten werden - von dieser Quote ist der Kreis nicht weit entfernt.

Kritiker bemängeln jedoch, dass an den Schulen zu wenig Zeit für gute Förderung bestehe.

Von Jan Schumann

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