Intensivpflege-Stall soll Pferdehof in Bad Sooden-Allendorf vor dem Aus retten

Geht neue Wege: Heilpraktikerin Doris Stephan betreibt seit etwa sechs Monaten eine Intensivpflege-Station in Bad Sooden-Allendorf und betreut steuerbefreite Pferde. Foto:  Shuhaiber

Bad Sooden-Allendorf. Im Dezember hat der Hessische Verwaltungsgerichtshof die Pferdesteuer in Bad Sooden-Allendorf für zulässig erklärt. Weil Pferdehalter jetzt in anderen Orten Einstellplätze für ihre Tiere suchen, müssen sich Betriebe, die Einstellplätze in der Badestadt anbieten, alternative Nutzungen für diese Plätze suchen.

Mit der Einrichtung einer Intensivpflege-Station hat Doris Stephan auf die Einführung der Pferdesteuer in Bad Sooden-Allendorf reagiert. Grund: Die ehemalige Betreiberin eines Pensionsstalls versucht mit einem neuen Konzept ihre Existenz zu retten.

Die 61-Jährige ist Heilpraktikerin für Menschen und Pferde sowie Therapeutin für die tiergestützte Intervention und Pädagogik. Früher betrieb Stephan eine Pferdepension mit Reitschulbetrieb. Doch seit der Einführung der „Aufwandssteuer“ brechen ihr die Kunden weg. Schließlich können Pferdebesitzer ihre Tiere in jeder anderen Kommunen deutschlandweit steuerfrei unterbringen. Weil Stephan nachweisen kann, dass sie ihre eigenen Tiere - zwei Esel, zwei Stettland-Pony sowie zwei Zuchtstuten und Aufzuchtfohlen - zum „Haupterwerb im Rahmen einer Berufsausübung“ nutzt, ist von der Steuer befreit - ihre Einstaller aber nicht. Und ohne die Einnahmen aus dem Pensionsbetrieb kann die Heilpraktikerin ihren Hof nicht halten.

Intensivpflege-Station

Durch den Aufbau der Intensivpflege-Station kann Stephan alte und kranke Pferde betreuen, die ebenfalls steuerbefreit sind. „Die Intensivpflege habe ich sozusagen gezwungenermaßen für alle chronisch oder akut erkrankten Pferde eingerichtet“, erzählt sie. Auch Pferde mit Bewegungseinschränkungen sowie für die kontrollierte Fohlenaufzucht genutzte Pferde werdennachihren Angaben auf dem Hof versorgt. Aufgenommen werden Pferde die an einer der folgenden Krankheiten leiden: Hufrehe, Arthrose, Spat, Arthritis, Mauke, Phlegmone, PSSM, ESM, Sarkoide, Ekzem, Staub-Allergie , Hufgeschwür, Zahnprobleme sowie allgemeine Unverträglichkeiten.

„Sollten wir den Betrieb nicht bis 2019 aufrechterhalten, sind wir finanziell ruiniert.“

„Neben einem befristeten oder unbefristeten Einstellvertrag wird ein gesonderter Intensivpflege-Vertrag ohne Aufpreis außer den eventuellen Materialkosten je nach Verbrauch aufgesetzt“, sagt sie und ergänzt: „Die Stadt erhält eine Kopie des Vertrages, so gilt diese Angelegenheit im Rahmen meiner Berufstätigkeit“, erklärt Stephan, die eng mit verschiedenen Tierärzten in der Umgebung zusammenarbeitet. Mit der Intensivpflege-Station versucht Stephan den finanziellen Verlust durch die Aufgabe des Pensionsstalls und des Reitschulbetriebes abzufangen. Ich habe viele Jahre und viel Geld in meine Aus- und Fortbildungen sowie den Ausbau der Anlage investiert.“ Etwa 400 000 Euro seien 2009 in den Betrieb geflossen. Damals hatte Stephan unter anderem in eine Reithalle, Pferdeboxen, Paddocks und Laufställe investiert. „Sollten wir den Betrieb nicht bis 2019 aufrechterhalten, sind wir finanziell ruiniert.“ Das Finanzamt hatte der Heilpraktikerin damals im Zuge des Ausbaus rund 80 000 Euro Vorsteuer zurückerstattet - dafür muss sie den Betrieb aber mindestens zehn Jahre betreiben: „Sonst müssen wir die 80 000 Euro zurückzaheln, das würde uns das Genick brechen.

Ausbildung in der Alten Hainsmühle

Auf dem Pferdehof Alte Hainsmühle kann der IHK-Ausbildungsberuf Tierpfleger, Fachrichtung Tierpension/-heim gelernt werden. Auch das Freiwillige Ökologische Jahr kann auf ihrem Hof absolviert werden. Für beide Bereiche sucht Doris Stephan noch Bewerber.

www.hainsmühle.de

Von Alia Shuhaiber

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