Einstige Teenie-Band ist erwachsen geworden und präsentiert neues Album

Interview mit den Killerpilzen: „Macher des Flairs haben an uns geglaubt“

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Erwachsen geworden. Die Killerpilze wurden 2006 weltweit bekannt und feierten große Erfolge. Mittlerweile haben sie ihr viertes Album „High“ auf ihrem eigenen Label veröffentlicht. Die Mitglieder Johannes Halbig (Mitte), sein Bruder Fabian (links) und Maximilian Schlichter (rechts) traten am Donnerstag auf der Seebühne auf.

Nach 2011 und 2014 spielten die Killerpilze am Donnerstag zum dritten Mal auf dem Open Flair. Bundesweit bekannt wurden die drei Musiker Johannes Halbig, Fabian Halbig und Maximilian Schlichter 2006 mit ihrer Debütsingle „Richtig scheiße (auf 'ne schöne Art und Weise)".

Im Interview mit unserer Zeitung verrät Sänger Jo, wieso das Open Flair eines der wichtigsten Festivals für die Band ist, warum auch die Fans im Ausland eine bedeutende Rolle spielen und weshalb sich jedes Album der Killerpilze anders anhört.

Was verbindet ihr mit Eschwege und dem Open Flair?

Killerpilze: Viel! Das Open Flair war eines der ersten großen Festivals, deren Macher an uns geglaubt haben. 2011 haben wir auf der Seebühne gespielt, das war extrem toll. Wir durften uns nach der Teeniebandzeit so richtig beweisen. In Eschwege gaben wir eine unserer längsten Autogrammstunden überhaupt. Und das Festivalgelände liegt natürlich sehr schön. Wir versuchen, möglichst viel Zeit hier zu verbringen.

Wie sind die vergangenen Jahre für euch verlaufen?

Killerpilze: Nach der Trennung vom Label Universal bauten wir unser eigenes Label auf. Wir haben seit 2009 vier Alben herausgebracht, das letzte mithilfe einer Crowdfunding-Kampagne. Da kamen 75 000 Euro zusammen. In den vergangenen Jahren haben wir unglaublich viele Shows gespielt, in Deutschland, Österreich, der Schweiz, aber auch in Frankreich, der Türkei und Russland.

Wie kommt ihr denn nach Russland?

Killerpilze: (lacht) Da haben wir tatsächlich viele Fans. Die haben früher mit unseren ersten Hits Deutsch gelernt und sind uns treu geblieben. Auftritte im Ausland sind immer etwas Besonderes für uns, fast wie Urlaub.

Wie sieht im Moment euer Alltag aus?

Killerpilze: Wie der einer ganz normalen Band. Wir sind im Tourbus unterwegs, proben, schreiben Texte, spielen Konzerte. In diesem Jahr werden es bestimmt 70 Auftritte. Im Sommer spielen wir auf Festivals, ab Ende September beginnt dann unsere „High“-Tour. Im Moment genießen wir die Zeit sehr. Es ist schön, von der Musik leben zu können.

Ende März erschien euer viertes Album „High“. Ihr zeigt euch hierauf von einer komplett neuen Seite. Wie reagieren die Fans darauf?

Killerpilze: Viele kennen unseren Namen und die Musik noch von früher. Da wecken wir wohl manchmal ein gewisses Nostalgiegefühl. Früher haben die Fans immer geschrien, egal wie wir gespielt haben. Mittlerweile müssen wir als krasse Liveband überzeugen. Der Teenieband-Bonus ist aber verflogen. Das macht das Ganze reizvoll. Wir wollen echt sein und echt bleiben.

Greift ihr dieses Nostalgiegefühl in euren Shows auf?

Killerpilze: Wenn es passt, auf jeden Fall. Wir spielen meist eine Mischung aus Liedern der vergangenen zehn Jahre, zeigen aber auch neue Stücke, wie zum Beispiel aus unserem neuen Album. Das kommt aber immer auf die Situation vor Ort an.

Was könnt ihr über das neue Album sagen?

Killerpilze: Mit „High“ wollen wir zum ersten Mal wieder richtig viele Leute erreichen. Unsere letzten Konzerte waren fast immer ausverkauft. Auf dem Album verarbeiten wir viele eigene Erfahrungen. Ich bin 2015 vier Wochen durch Südostasien gereist, kurz nachdem ich eine Trennung hinter mir hatte. Das habe ich in den Song „Mantra“ einfließen lassen. Mit den Videodrehs haben wir uns viel Mühe gegeben, sind zum Beispiel an den Originaldrehort von „The Revenant“ nach Südargentinien geflogen.

Wie habt ihr euch in den vergangenen Jahren verändert?

Killerpilze: Natürlich sind wir älter geworden. Trotzdem bleiben wir vor allem im Kopf eine junge Band. Als wir angefangen haben, waren wir ja fast noch Kinder. In den vergangenen Jahren haben wir viel ausprobiert. Nach einer kurzen Metal- und Elektrophase, die auf unser eher punkiges Debüt folgte, haben wir jetzt eine Pop-Platte veröffentlicht. Uns blieb nichts anderes übrig, als uns weiterzuentwickeln. Die Musik von früher wäre heute bestimmt nicht mehr zeitgemäß, radikale Umbrüche waren also unumgänglich.

Habt ihr euren eigenen Stil noch nicht gefunden?

Killerpilze: Doch, das auf jeden Fall schon. Das werden die Leute bei unseren Shows auch merken, wie sehr wir mit Leidenschaft dabei sind. Uns war und ist aber wichtig, nicht langweilig zu werden. Wir möchten den Fans auf jedem neuen Album neue Facetten unserer Musik zeigen. Keine Platte sollte sich anhören wie die davor. Im Grunde verstehen wir uns aber als Rockband.

Ihr feiert nächstes Jahr 15-jähriges Band-Bestehen. Was steht da an?

Killerpilze: Natürlich wollen wir es mit unseren Fans ordentlich krachen lassen. Im Hintergrund laufen jetzt schon die Planungen, aber im Moment noch dürfen wir noch nichts konkretes verraten.

Was ist das Geheimnis: Wie habt ihr als Band diese lange Zeit überstanden?

Killerpilze: Wir sind sehr eng miteinander verbunden, kennen uns ganz genau und können jeden Blick des anderen deuten. Trotzdem bleibt jedem genug Freiraum, ein Leben außerhalb der Band zu führen. Auf der Bühne sind wir aber ein eingespieltes Team. Es ist wahrscheinlich auch von Vorteil, dass wir zusammen erwachsen geworden sind.

Werden die Auftritte mit der Zeit zur Routine?

Killerpilze: Jede Show ist anders - das muss auch so sein, denn ohne dieses gewisse Etwas würde der Reiz fehlen. Die Nervosität, bevor man die Bühne betritt, ist jetzt aber nicht mehr so groß wie zu unseren Anfängen.

Wie sieht eure Zukunft aus?

Killerpilze: Wir möchten als eines der bekanntesten Trios in die deutsche Musikgeschichte eingehen. Dazu gehört auch, auf großen Festivals wie dem Flair oder Rock am Ring als Headliner zu spielen. Es mag vermessen klingen, aber ich bin fest davon überzeugt, dass wir das irgendwann schaffen. Zeit genug bleibt uns: Wir sind noch immer eine junge Band mit viel Potenzial.

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