Umsetzung ab Ende Juli

Neue Gesetzesvorgabe: Jugendarbeit nur noch mit Führungszeugnis

Werra-Meißner. Viele Mitarbeiter und Freiwillige, die in der Kinder- und Jugendarbeit tätig sind, müssen demnächst ein erweitertes Führungszeugnis vorlegen. 

Ab dem 31. Juli 2016 können nur noch Gruppen Zuschüsse erhalten, die mit dem Kreisjugendamt eine entsprechende Vereinbarung zum verbesserten Kinderschutz abgeschlossen haben.

Diese Regelung, die bei hauptamtlichen Betreuern bereits gängige Praxis ist, wird nun auch fürs Ehrenamt umgesetzt. Aktuell informiert der Kreis darüber alle Vereine und Jugendgruppen, die als förderungswürdig anerkannt sind und in den vergangenen zwei Jahren Zuschüsse erhalten haben. Die Vorlage der Zeugnisse soll sicherstellen, dass in der Jugendarbeit keine Personen als Betreuer eingesetzt werden, die wegen Sexualstraftaten und Vernachlässigung der Fürsorgepflicht vorbestraft sind.

Organisationen wie der Kreisjugendring (KJR) Witzenhausen haben jedoch Zweifel an der Zweckmäßigkeit der Vereinbarung. „Natürlich ist jeglicher Schutz für Kinder zu begrüßen“, sagt Vorsitzender Benedikt Rohde. Er hält die Aussagekraft des Führungszeugnisses aber für begrenzt. „Es gibt eine hohe Dunkelziffer Pädophiler. Wir dürfen uns nicht in falscher Sicherheit wiegen.“ Ähnlich sieht das Siegfried Finkhäuser, Vorsitzender des Kreissportbundes. „Wichtig ist zusätzlich präventive Arbeit und Sensibilisierung der Mitarbeiter.“ Dazu habe der Sportbund einen Verhaltenskodex entwickelt, den alle Übungsleiter unterschreiben müssen und an den die Lizenz gekoppelt ist.

Die Vorlagepflicht des Zeugnisses sei deshalb nur ein Baustein im Schutzkonzept, betont Armin Bahl von der Kreisjugendförderung, der für die Umsetzung zuständig ist. Die Information über und Auseinandersetzung mit Themen wie Kindeswohlgefährdung und sexualisierte Gewalt innerhalb der Gruppen und Vereine spiele eine große Rolle. „Das wurde lange tabuisiert.“ 

Mehr dazu lesen Sie in der gedruckten Dienstagsausgabe der Werra-Rundschau.

Rubriklistenbild: © dpa

Kommentare