Veruntreuung von Vereinsgeldern

Kassierer zweigte 22.500 Euro ab: Zehn Monate auf Bewährung

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Die Beweislage war eindeutig.

Ein 56-Jähriger aus dem Kreis hat vor dem Amtsgericht in Eschwege gestanden, als Kassierer eines sozialen Vereins in Bad Sooden-Allendorf 22 500 Euro für private Zwecke abgezweigt zu haben. Amtsgerichtsdirektor Dr. Alexander Wachter verurteilte ihn heute wegen gewerbsmäßiger Untreue zu einer Bewährungsstrafe von zehn Monaten.

Die Beweislage war eindeutig: Unterlagen der VR-Bank Werra-Meißner belegten, dass sich der Angeklagte zwischen Dezember 2012 und April 2015 des Geldes auf dem Vereinskonto in zwölf Fällen bediente. „Um Liquiditätsengpässe zu überbrücken“, wie er selbst erklärte. Diese seien wegen ausbleibender Zahlungen von Mandanten an seine Firma entstanden. „Es tut mir wahnsinnig leid, was passiert ist. Ich wollte mich nicht persönlich bereichern, sondern hatte vor, das Geld zurückzuzahlen, mit Zinsen“, beteuerte der Beschuldigte. 

Geld schrittweise zurücküberwiesen

Tatsächlich überwies der 56-Jährige bis Mai 2015 schrittweise 6000 Euro wieder zurück, bei den Einzelzahlungen waren auch Zinsen ausgewiesen. Die erste erfolgte im Mai 2014. Bei einer Kassenprüfung ein Jahr später flog die Sache auf, bei Prüfungen in den Jahren zuvor aus unerklärlichen Gründen nicht. 16 500 Euro des veruntreuten Geldes fehlten noch. Die hat der Mann bis zum Beginn der Verhandlung ebenfalls gezahlt. Das wirkte sich wie auch das Geständnis und die gezeigte Reue strafmildernd aus, sagte Richter Wachter. 

Er erkannte zudem die Schilderung, dass es sich um finanzielle Notlagen und nicht um persönliche Bereicherung handelte, als plausibel an. Zusätzlich erlegte Wachter dem Angeklagten 80 gemeinnützige Arbeitsstunden auf. 

Einschnitt im Leben 

Der Verteidiger bat darum, dass er diese nicht in Bad Sooden-Allendorf erbringen muss. Warum? „Die Geschichte hat einen erheblichen Einschnitt in mein Leben bedeutet“, sagte der Angeklagte. Aus Scham habe er sich aus dem öffentlichen Leben und ehrenamtlichen Ämtern zurückgezogen. Sein Unternehmen ist mittlerweile dicht. 2013 verlor er wegen Vermögensverlusten seine Zulassung, arbeitete aber weiter selbstständig – unter Vorspiegelung der Tatsache, dass er eine Lizenz besitzt. 

Deswegen war ein Strafbefehl gegen ihn anhängig, die Geldstrafe hat der Beschuldigte gezahlt. Aktuell arbeitet er zehn bis zwölf Stunden in der Woche für zirka 420 Euro Lohn als Angestellter. Dazu kommen 1000 Euro Einnahmen aus der Vermietung seiner ehemaligen Büroräume. „Ich will meine Eigentumswohnung verkaufen, um mit dem Erlös die ausstehenden Zahlungen für eben diese Wohnung tilgen zu können“, erklärte der Angeklagte. Die letzte Rate in Höhe von 7000 Euro zur Rückzahlung an den Sozialverein habe er sich bei seiner Schwiegermutter geborgt. Ein Einzug bei ihr mit der wegen Krankheit nicht mehr berufstätigen Frau sei denkbar. „Ich will finanziell abspecken“, sagte er, „damit ich nicht wieder in eine solche Situation komme.“

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