Auch im Werra-Meißner-Kreis kann der Wolf jederzeit auftauchen

Auf dem Vormarsch: Der Wolf besiedelt zunehmend auch Deutschland. Die Experten gehen davon aus, dass im gemeinsamen Raum mit Westpolen inzwischen 62 Rudel leben. Foto: Archiv

Eschwege. Grundsätzlich besteht überall in Deutschland jederzeit die Möglichkeit, dass ein Wolf auftaucht. Der das sagt, ist Frank Faß, Experte auf diesem Gebiet und Geschäftsführer des Wolfcenter im niedersächsischen Dörverden.

Faß war jetzt in Eschwege Gast der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW). „Der Wolf ist in Hessen angekommen“, sagte der SDW-Kreisvorsitzende Lothar Quanz zur Begrüßung der rund 80 Zuhörer.

Seit wann dringt der Wolf nach Deutschland vor? 

Die heutige Population ist auf ein Paar zurückzuführen, das Anfang der neunziger Jahre aus Westpolen eingewandert ist.

Wie viele Wölfe gibt es in Deutschland?

In dem gemeinsamen Raum mit Westpolen gehen die Experten von 62 Rudeln aus.

Wie groß ist eine mögliche Wolfsdichte?

Ein Wolfsrudel beansprucht ein Territorium von 20- bis 30 000 Hektar. Ein Elternpaar bringt vier bis sechs Welpen pro Wurf zur Welt. Die Rudelgröße kann zwischen sechs und 15 Tieren liegen. Die Tiere legen bis zu 70 Kilometer in 24 Stunden zurück.

Welchen Schutzstatus hat der Wolf in Deutschland?

Den höchstmöglichen. Die Tiere sind streng geschützt. Eingriffe sind nur in eng gefassten Ausnahmesituationen zulässig.

Auf welche Populationsdichte könnte die Ansiedlung des Wolfes hinauslaufen?

Die Experten sagen, dass dann von einem so genannten „günstigen Erhaltungszustand“ ausgegangen werden kann, wenn in Deutschland 1000 erwachsene Wölfe, also 500 Paare heimisch sind. Fände eine Vernetzung mit Tieren in benachbarten Regionen statt, würden 250 Tiere für diese Annahme ausreichen.

Wie wahrscheinlich ist eine Wolfsbegegnung?

Eher gering, sagt Frank Faß. Durch seine viel besseren Sinne nimmt der Wolf den Menschen früh wahr und weicht aus.

Wie verhalten sich Spaziergänger bei einer Wolfsbegegnung richtig?

Der Mensch sollte sich lautstark bemerkbar machen. Dann wird der Wolf ausweichen. Die Wahrscheinlichkeit einer aggressiven Reaktion ist verschwindend gering. Selbst wenn der Spaziergänger einen Hund mitführt, wird der Wolf den mit größter Wahrscheinlichkeit neutral betrachten.

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