Für ein Rail-and-Fly-Ticket muss man von Eschwege nach Mühlhausen, Witzenhausen oder Bebra fahren

Kein Zugticket zum Flughafen

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Stadtbahnhof Eschwege hat keinen DB-Fahrkartenautomat

Eschwege. Seit drei Jahren gibt es den Stadtbahnhof mit Parkhaus, Fahrradstand, Café und Bussteigen. Der Service kommt gut an. Wer allerdings ein Rail-and-Fly-Ticket will hat Pech gehabt.

Bis 2011 stieg die Nutzung der Züge um über 62 Prozent. Wer zur Geschäfts-zeit kommt, dem stellt Astrid Merker mit schmuckem Halstuch und DB-Signet am Kragen gerne ein Bahn-oder NVV-Ticket aus. Bedauernd mit der Schulter zuckt sie, wenn jemand ein Rail-and-Fly-Ticket bei ihr abholen will. „RailandFly und Fahrkarten mit Auftragsnummer gibt es nur aus DB-Automaten“, sagt sie. Doch so einen Automaten gibt es nicht, denn Eschwege ist kein DB-Bahnhof. Während die Bahn anderenorts Kombiautomaten für ein umfangreiches Angebot an Tickets für den Verbund-, Nah- und Fernverkehr einsetzt, bieten die in Cantus-Zügen installierten NVV-Automaten nur Verbund-Fahrkarten und ein begrenztes Angebot für das Cantus-Netz.

Bürgermeister Alexander Heppe ärgert sich über den fehlenden DB-Automaten in Eschwege: „Ich wäre froh, wenn sich die Deutsche Bahn auch bei uns um Kundenbindung bemühen würde. Die Fahrgastzahlen zwischen Göttingen und Bebra sind in den letzten Jahren deutlich gestiegen und viele nutzen von dort Fernverbindungen der Bahn.“ Die mangelnde Beweglichkeit der Bahn stört auch Karl Gleim vom Eschweger Reisebüro am Markt. Die DB-Agentur rät Kunden, die Flüge mit RailandFly buchen, das Zugticket aus einem Bahn-Automaten in Mühlhausen, Bebra oder Witzenhausen abzuholen. Das ist erst 72 Stunden vor Abflug möglich und kostet zusätzlich Zeit und Benzin. „Bis 2008 gab es in Eschwege-West einen Automaten. Der Ausdruck wäre technisch auch bei uns möglich, ist aber nicht freigeschaltet“, bedauert Gleim. Die Luftfahrtgesellschaften sehen keinen Handlungsbedarf, ein Lufthansa-Sprecher verweist sogar auf die Zuständigkeit der Bahn. Sprecher der Deutschen Bahn sehen darin hingegen ein Angebot der Airlines und verweisen auf den Verlust der Ausschreibung für die Strecken im Kreis, Schnittstellenprobleme zwischen Bahn und NVV oder wettbewerbsrechtliche und Datenschutz-Gründe. Immerhin steht inzwischen auch offiziell außer Frage, dass RailFly auch auf Zügen von Wettbewerbern wie Cantus gilt. Ein Automat auf dem Bahnhof sei aus Kostengründen aber nicht notwendig. Das sieht Horst Pipper, der Leiter der kommunalen Organisationsgesellschaft Nahverkehr Werra-Meißner anders. „Ein DB-Fahrkartenautomat wäre sinnvoll. Die Nutzung hat zugenommen und es kommt immer wieder vor, dass sich Reisende über das fehlende Angebot bei RailandFly beschweren.“ Auch Landrat Stefan Reuß, der dem Aufsichtsrat vorsitzt, hat wenig Verständnis für die Haltung der Deutschen Bahn: „Wir haben den Stadtbahnhof als Um- und Ausstiegsbahnhof konzi-piert. Der Service wird nach-gefragt. Wir appellieren an die Bahn, einen Fahrkartenautomaten zu installieren.“ Doch vielleicht ändert sich bald etwas. Die DB erkennt in-zwischen an, dass Rail-and-Fly-Tickets auch für Zubringer zum Fernverkehr gelten - was bislang unklar war - und wie von NVV und DB zu erfahren war, soll noch in diesem Jahr über eine Ausnahme beim Ti-cketdruck für das Eschweger Kundenzentrum nachgedacht werden. Zudem soll ab dem ersten Halbjahr 2013 der Ausdruck von Rail-and-Fly-Tickets auch über www.bahn.de möglich sein.

Von Michael Ritter

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