Neuenroth-Umbenennung

Kitaleiterin spricht sich gegen französischen Namen aus

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Fritz Neuenroth Weg

Eschwege. Die Leiterin der evangelischen Kindertagesstätte Susanne Roth-Graulich kritisiert die angedachte Umbenennung des Fritz-Neuenroth-Weges in Jardin de St. Mandé. In einem Brief an Bürgermeister Alexander Heppe, der unserer Zeitung vorliegt, schreibt sie, dass sie mit „einer Umbenennung natürlich konform gehen würde", findet den neuen Namen aber zu kompliziert.

Vorschulkinder, die gerade ihre Adressen lernen und sich auch für die Adresse ihrer Kita interessierten, würden in Zukunft Probleme haben zu sagen, wo ihre Kita liegt. „Ich denke außerdem an die zahlreichen Kooperationspartner, Firmen, Versandhäuser, Betriebe, denen ich telefonisch unsere neue Adresse weitergeben muss, ich werde künftig jedes Wort buchstabieren und mehrfach wiederholen müssen“, schreibt Roth-Graulich weiter. Das beanspruche so viel Zeit, die in der Bildung und Betreuung der Kinder fehlen würde.

Den Kindergarten „Am Schwanenteich“ besuchen zurzeit 99 Kinder in fünf Gruppen. Auch auf die Eltern würden Probleme zukommen, schätzt Susanne Roth-Graulich. In der Einrichtung gäbe es Eltern aus unterschiedlichen Bildungsschichten. „Ich denke, dass die ohnehin schon immense Unterstützung beim Ausfüllen der Formulare mit der künftigen Adresse noch erweitert werden muss“, sagt die Tagesstättenleiterin.

Auf Antrag von Bündnis 90/Die Grünen diskutiert die Stadtverordnetenversammlung am Donnerstag darüber, die Straße nicht weiter nach dem umstrittenen Lehrer Fritz Neuenroth zu benennen.

Als Alternative bietet sie „Am Schwanenteich“ als „einfachste und für uns passendste Adressbezeichnung“ an. Die Partnerstadt könne man mit Sie bedauert außerdem, als Anwohner nicht in den Prozess der Namensfindung miteinbezogen worden zu sein. In die gleiche Richtung argumentiert Bernhard Gassmann, Fraktionsvorsitzender und Bürgermeisterkandidat der Linken. „Mit großer Verwunderung und Unverständnis haben wir zur Kenntnis genommen, dass die Anlieger des Fritz-Neuenroth-Weges offensichtlich nicht über die Umbenennung ihrer Straße in Jardin de St. Mandé informiert worden sind.“ Gassmann hält die geäußerten Bedenken der Kindertagesstätte für überzeugend. Sie hätten unbedingt zum Gegenstand der Beratungen in den Ausschüssen gemacht werden müssen. Die Bürger müssten bei solchen Entscheidungen mitgenommen werden. Sie außen vor zu lassen sei keine transparente Politik.   

Bürgermeister Alexander Heppe erklärte, dass noch längst nichts entschieden sei und die Hoheit bei der Stadtverordnetenversammlung liege. Die Abgeordneten würden die Namensfindung wohl in den Ausschuss überweisen. „Dort wird dann vermutlich auch der Einwand von Frau Roth-Graulich diskutiert werden“, sagt Heppe.

Die 38. Stadtverordnetenversammlung findet am Donnerstag, 7. Mai, um 19 Uhr in der Eschweger Stadthalle statt.

Von Tobias Stück

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