Kantorei führt mit Gastmusikern Johann Sebastian Bachs kompliziertestes Stück auf

Klangwunder in h-Moll

Ein Großereignis für Bach-Fans aus der Umgebung: In der Neustädter Kirche kam die h-Moll-Messe zur Aufführung. Foto: Pujiula

eschwege. Die Erwartungen in der vollen Neustädter Kirche waren groß, die Vorfreude riesig. Und als nach über zwei Stunden nach dem abschließenden „Dona nobis pacem“ der jubelnde Applaus losbrauste, hatte das Publikum die Gewissheit, Ohrenzeuge eines großartigen Konzerts geworden zu sein: mit der Messe in h-Moll von Johann Sebastian Bach.

Bei der Aufführung eines Teils der Messe 1786 bewunderte ein Kritiker aus Hamburg „besonders das Credo des unsterblichen Sebastian Bach, welches eins der vortrefflichsten musikalischen Stücke ist, die je gehört wurden“ - ein frühes Urteil, dem man für die ganze Messe auch heute beipflichten kann.

„Wobei aber die Singstimmen hinlänglich besetzt sein müssen“, fügte der Kritiker hinzu. Nun, an diesem Sonntag in der Neustädter Kirche waren die Singstimmen „hinlänglich besetzt“ - angefangen mit dem Chor, der an diesem Tag hervorragend disponiert war. Der verstärkte Kammerchor der Kantorei Eschwege, der sich seit Anfang des Jahres mit intensiven Proben auf diesen Auftritt vorbereitet hatte, präsentierte sich unter der Leitung von Kantorin Susanne Voß in bestechender Form.

Das in allen Stimmgruppen überzeugende Ensemble mit über vierzig Frauen und Männern gab den vielen Chören der Messe wundervollen Ausdruck und Lebendigkeit und stimmliche Schönheit - eine Leistung, die in der Erinnerung bleiben wird.

Neben dem dominierenden Chor spielen auch die Vokalsolisten eine wichtige Rolle, auch wenn nicht so beherrschend wie in anderen Werken Bachs. Und hier war ein Quartett von Spezialisten nach Eschwege gekommen - von denen der Altus Thomas Riede besonders glänzte: mit warmem einfühlsamen Ausdruck. Und auch der Bass Dirk Schmidt überzeugte mit ausdrucksstarkem, mitunter leidenschaftlichem, Gesang. Die Sopranistin Traudl Schmaderer und der Tenor Albrecht Sack gestalteten ihre Gesangparts mit glatter, routinierter Korrektheit - nicht weniger aber auch nicht mehr. Und das Göttinger Barockorchester glänzte wie immer mit durchweg sauberer Intonation und opulentem Klang - mit Ausnahme eines irgendwie missratenen Waldhorn-Einsatzes.

Ein großer Tag für die Musikfreunde, vor allem aber für die Kantorei Eschwege und für ihre Leiterin Susanne Voß: nicht nur, dass sie am ersten Pult diese Aufführung zu einem wundervollen Ganzen führte. Sie hatte auch den Mut, die h-moll-Messe, die früher wegen ihrer Komplexität als „unspielbar“ galt, in Angriff zu nehmen - und dieses kühne Vorhaben mit ihrem Kammerchor zu einem beglückenden Ende zu bringen.

Von Francisco Pujiula

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