Kleine Bäckereien weichen den Ketten

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In den kleinen Handwerksbetrieben wird teurer produziert als in den Bäckereiketten. Der Verdrängungswettbewerb findet über die Preise für die angebotenen Backwaren statt.

Werra-Meißner. Weniger Bäckereien, mehr Backshops in Discountern und Tankstellen: Diese Entwicklung zeichnet sich auch im Werra-Meißner-Kreis ab.

Erst vor einigen Wochen stellte Georg Grunewald, ein kleiner Bäcker in Bad Sooden-Allendorf, den Antrag auf Insolvenz. Ein Kollege in der gleichen Straße, Bäckermeister Johannes Meder, entging im Frühjahr nur um ein Haar dem Konkurs.

Und Meder schimpft deutlich: Das Grundproblem liege immer stärker auf der grünen Wiese. Wenn das Brötchen beim Billig-Discounter 13 und bei ihm 30 Cent und das Brot im Markt 1,20 und in seinem Laden drei Euro koste, wanderten Kunden ab. Doch mit diesen Billigpreisen könnten die Discounter gar keine Gewinne erwirtschaften. Deshalb ist das in seinen Augen „unlauterer Wettbewerb“. Meder klagt: „Das macht das Traditionshandwerk kaputt.“

Obermeister Hubertus Erner von der Bäckerinnung Werra-Meißner sieht die Entwicklung gelassener. Von einem Bäckereisterben mag er nicht reden. Denn die Zahl der Innungsbetriebe im Landkreis ist zwar binnen 50 Jahren von 60 bis 70 auf aktuell 18 zurückgegangen, doch die Zahl der Mitarbeiter sei eher gewachsen, erklärt der Witzenhäuser Bäckermeister.

Und: Der Gesamtumsatz der Betriebe sei steigend. „Im Bäckerhandwerk haben wir noch eine gute Struktur, die wollen wir verteidigen und ausbauen“, sagt Erner. Die eigenen Hausaufgaben seien dabei die Qualität, das Preisleitungsverhältnis und das Werben um Handwerksnachwuchs.

Durchaus sieht Erner den Trend auf die grüne Wiese, worunter beispielsweise auch wie die Metzger leiden müssten. Doch das Hauptproblem liege im veränderten Einkaufsverhalten. Früher ging man täglich zum Krämer für einen Liter Milch und ein halbes Pfund Butter. „Heute wird sich einmal in der Woche eingedeckt.“

Von Stefan Forbert und Anne Quehl

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