Unterhalt: Jugendamt schoss mehr als eine Million Euro für säumige Väter und Mütter vor

Kreis zahlt für 560 Kinder

Längst nicht alle Väter und Mütter wollen Unterhalt für ihre Kinder bezahlen. Viele können auch nicht. In diesen Fällen springt der Landkreis ein. Foto: dpa

Eschwege. Das Jugendamt im Werra-Meißner schoss im vergangenen Jahr mehr als eine Million Euro an Unterhalt für 560 Kinder vor, deren Väter und Mütter den Zahlungsverpflichtungen nicht nachkommen. Gleichzeitig holte der Kreis rund ein Viertel davon wieder zurück.

Mit der sogenannten Rückgriffquote von 21,7 Prozent liegt der Landkreis deutlich über dem Landesdurchschnitt von 19,6 Prozent und der Stadt Kassel, die lediglich rund zwölf Prozent der Unterhaltsvorschüsse wieder eintreibt.

„Im Vergleich stehen wir sehr gut da“, sagt Holger Franke, in der Kreisverwaltung als Fachbereichsleiter zuständig für Unterhaltsangelegenheiten. Den Erfolg führt er auf das besondere Konzept der Kreisverwaltung zurück. „Wir bitten den säumigen Vater oder die Mutter zunächst einmal zu einem Gespräch, in dem wir sie darauf aufmerksam machen, dass sie zur Unterhaltszahlung gesetzlich verpflichtet sind“, sagt Franke. Das helfe schon bei vielen.

Kann der Vater oder die Mutter die Summe nicht aufbringen, würden auch individuelle Vereinbarungen getroffen, bei denen der Kreis weiterhin eine Teilsumme vorschieße, die der Unterhaltspfllichtige später zurückzahlen müsse. „Ein Fall, der gar nicht erst aufgebaut wird, ist der beste Fall“, so der Fachbereichsleiter. Fruchtet alles nichts, kommt es zur Zahlungsaufforderung und kann mit der Zwangsvollstreckung enden. Eine gute Quelle ist für den Kreis die Steuerrückerstattung, von der dann ein Teil in die Kreiskasse und nicht in die Tasche des säumigen Unterhaltspflichtigen fließt. „Das machen wir im großen Stil“, sagt Franke.

In den vergangenen Jahren ist die Zahl der Kinder, deren Unterhalt zunächst vom Kreis geleistet wird, zurückgegangen. Waren es im Jahr 2003 noch 703 Kinder, so sank die Zahl im vergangenen Jahr auf 560. Die Summe des staatlichen Vorschusses blieb aber über die Jahre etwa gleich. Meist sind es die Väter, die nicht zahlen - aber nicht nur. 403 Väter und 30 Mütter verweigerten die finanzielle Unterstützung ihrer von ihnen getrennt lebenden Kinder.

„Oft spielt der Schmerz, der bei der Trennung der Eltern einhergeht, eine große Rolle bei der Verweigerungshaltung“, weiß der Fachbereichsleiter. In vielen Fällen können die Eltern aber von vornherein nicht zu Zahlungen herangezogen werden, zum Beispiel wenn sie Hartz-IV-Bezieher oder Geringverdiener unter 1300 Euro sind.

Ohnehin bekommen die Kinder von Staats wegen nur das absolute Minimum. Für Kinder im Alter bis fünf Jahren gibt es 133 Euro, für Sechs- bis Elfjährige 180 Euro. Danach hört die Unterstützung auf. Fachbereichsleiter Franke: „Wenn wir aber feststellen, dass ein Vater mehr zahlen muss, empfehlen wir der Mutter eine Beistandschaft, die wie ein Anwalt den vollen Betrag für die Mutter geltend macht.“

Von Dieter Salzmann

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