Kostenloses Angebot für Familie in Hartz-IV-Bezug

Kreisstadt Eschwege hat Familienkarte Plus entwickelt

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Eschwege bekommt die Familienkarte Plus: Erster Stadtrat Reiner Brill (links) und Jörn Engler von der Familienförderung stellen das neue Konzept vor.

Eschwege. Stark vergünstigte bis hin zu kostenlosen Angeboten rund um Freizeit und Bildung - das bringt die neue Familienkarte Plus der Kreisstadt für Kinder und Jugendliche die von Transferleistungen leben.

„Eschwege hat ein Armutsproblem“, sagt Erster Stadtrat Reiner Brill. Etwa 22,5 Prozent der Kinder und Jugendlichen in der Kreisstadt sind von staatlichen Tarnsferleistungen abhängig, das sind 1033 junge Menschen. Zum Vergleich: Im gesamten Werra-Meißner-Kreis sind es 13,3 Prozent. Die Folgen sind für die jungen Menschen vielfältig, erklärt Brill: „So ist die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben stark eingeschränkt, damit geht die Chancengleichheit verloren und auch die Entwicklungsmöglichkeiten werden stark eingeschränkt.“

Arme Kinder seien nicht nur materiell benachteiligt sondern hätten damit einhergehend weniger soziale Kontakte, seien häufig gesundheitlich beeinträchtigt und kulturell benachteiligt, zählt Brill auf. Um diesen Benachteiligungen entgegen zu wirken, hat die Stadt einen neuen Baustein für ihr Präventionskonzept entwickelt: die Familienkarte plus. Eine Familienkarte gibt es in der Kreisstadt bereits seit einigen Jahren, sie kann von allen Familien in Anspruch genommen werden, kostet fünf Euro und bringt vor allem Vergünstigungen in der Gastronomie, aber auch in Vereinen und Freizeiteinrichtungen. „Diese Karte wurde allerdings gerade von der Zielgruppe, nämlich von Armut betroffenen Jugendlichen, kaum in Anspruch genommen“, sagt Brill. Deshalb wurde die speziell auf diese Gruppe ausgerichtete neue Familienkarte entwickelt.

Der Clou: Diese Karte ist für Familien in Hart-IV-Bezug kostenlos. Bislang machen vom Kino Cineplex in Eschwege bis zum Espada Freizeitbad bereits 15 Anbieter mit. So will beispielsweise das Cineplex für Karteninhaber einen speziellen Jugendtarif einführen und im Espada zahlen Jugendliche zwischen sechs und 17 Jahren dann nur 1 statt 2,70 Euro Eintritt. Alle weiteren Angebote will die Kreisstadt im November noch genau vorstellen. Starten soll die Karte dann am 1. Januar. Optisch wird die neue Karte fast identisch mit der bisherigen Familienkarte, die auch weiterhin für alle Familien angeboten wird, gestaltet. Einziger Unterschied: Auf der Familienlkarte Plus wird ein Lichtbild mit Namen auf der Rückseite sein, um Missbrauch zu vermeiden. „Unser Ziel ist es von den 460 Familien in Hartz-IV-Bezug mindestens die Hälfte mit der neuen Karte auszustatten“, erklärt Jörn Engler von der Familienförderung der Kreisstadt. Ausgestellt wird die neue Karte in Verbindung mit der Weihnachtsbeihilfe im Dezember. Um die Karte noch attraktiver zu gestalten, werden noch dringend weitere Anbieter gesucht, die sich mit Vergünstigungen beteiligen. Melden kann man sich bei Engler unter Tel. 0 56 51/30 43 67.

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