Frölich-Fahrer klagt über Gehaltsdumping und Gratisüberstunden

Kritik: Busfirma umgeht Lohn-Vorgaben des NVV

Kassel. Busfahrer im Linienverkehr verdienen nicht sonderlich gut. Damit ihre Löhne nicht unter ein Mindestniveau sinken, schreibt der Nordhessische Verkehrsverbund (NVV) seit Jahren vor, dass sich die für ihn tätigen Busfirmen an einen Gehaltstarif halten müssen, der zwischen Verdi und dem Landesverband Hessischer Omnibusunternehmer (LHO) ausgehandelt wurde.

Bei der Melsunger Frölich Bus GmbH, einen der größten privaten NVV-Partner, der auch im Werra-Meißner-Kreis fährt, gelten diese Regelungen jedoch offenbar nicht. Pikant ist das deshalb, weil Geschäftsführer Bernd Frölich LHO-Mitglied und auch Vorsitzender von dessen nordhessischer Fachgruppe ist.

Der HNA liegt ein Arbeitsvertrag vor, aus dem hervorgeht, dass Frölich einen Fahrer auf NVV-Linien einsetzte und ihm etwa einen Euro weniger Stundenlohn zahlte, als der jeweils gültige LHO-Tarif vorsah. Der Mann verdiente erst 9,25, später 9,60 Euro pro Stunde.

Zudem wurde vereinbart, dass es für zehn Überstunden monatlich keine Bezahlung geben soll. „Dadurch reduzierte sich mein Stundenlohn noch weiter“, sagt der Fahrer, der inzwischen für ein anderes Busunternehmen arbeitet. Eine solche Regelung sei „rechtlich unzulässig und damit nicht bindend“, sagt Gewerkschaftssekretär Andreas Jung von Verdi.

Busunternehmer Frölich führt ins Feld, in seiner Firma würden großzügigere Arbeits- und Pausenzeitregelungen gelten, wodurch die Stundenlohndifferenz zum LHO-Tarif im Endeffekt ausgeglichen werde.

Solche Angaben seien, auf eine ganze Belegschaft bezogen, nur schwer nachzuvollziehen, sagt NVV-Sprecherin Sabine Herms. Der Verkehrsverbund nehme die Vorwürfe nun zum Anlass für eine generelle Überprüfung, inwieweit Vertragsvorgaben eingehalten werden. Frölich ist für 22 Buslinien direkter Auftragnehmer des NVV. Zudem ist er Subunternehmer der Regionalverkehr Kurhessen (RKH) und fährt als solcher etliche weitere NVV-Linien.

Von Bastian Ludwig und Axel Schwarz

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