Pressekonferenz

Grubenunglück: Tödliches Gas verbreitete sich in Sekundenschnelle

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Unterbreizbach. Das tödliche Gas hat sich beim Grubenunglück in Unterbreizbach in Sekundenschnelle über viele Kilometer in der Tiefe ausgebreitet.

Das sagte der Vorstandschef der K+S AG (Kassel), Norbert Steiner, am Mittwoch während einer Pressekonferenz in Unterbreizbach. Die drei Bergleute, die ums Leben kamen, hätten es wahrscheinlich nicht mehr geschafft, ihre Schutzmasken aufzusetzen.

Das Unglück mache die 14.000 Beschäftigten des Kali- und Düngemittelkonzerns K+S, der mehrere Werke in Thüringen und Hessen betreibt, betroffen. Der Vorstandsvorsitzende sicherte den Angehörigen der toten Bergleute Unterstützung zu.

Eine Gefährdung für die Menschen in der Region durch den gewaltigen Kohlendioxidausbruch, der für eine Druckwelle gesorgt hatte, besteht nach seinen Angaben nicht. Nach einer Routinesprengung waren zunächst alle sieben Bergleute eines Erkundungstrupps eingeschlossen worden. Vier von ihnen wurden gerettet.

Thüringens Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht (CDU) will für die drei toten Bergleute des Grubenunglücks in Unterbreizbach einen Gedenkakt ausrichten. Die Modalitäten dafür würden noch besprochen, sagte Lieberknecht während der Pressekonferenz. „Jetzt ist die Stunde, in der die Trauer überwiegt“, ergänzte die Regierungschefin, die sich vor Ort ein Bild von der Katastrophe machte. Thüringen stehe nach dem tragischen Grubenunglück unter Schock.

Trauer im Dorf und beim Unternehmen

"Es wird noch Tage dauern, bis wir wieder in die Bereiche hineinkönnen", sagte Werksleiter Dr. Rainer Gerling schon am Morgen. Bisher sei man noch nicht in dem Bereich vorgedrungen, in dem sich der Gasausbruch ereignet hatte. Alle seien tief betroffen. Angehörige und Rettungskräfte werden seelsorgerisch betreut.

Auf der Homepage des Unternehmens trauert K+S um die drei gestorbenen Bergleute. Dort heißt es, man drücke den Hinterbliebenen seine zutiefst empfundene Anteilnahme aus.

An der Einfahrt zur Kali-Grube flackern derweil Kerzen, Menschen ringen um Worte, überall herrscht auch am Mittwoch noch Fassungslosigkeit nach dem schweren Grubenunglück, bei dem drei Menschen ums Leben gekommen sind. Die Bergleute starben in dem Bergwerk im thüringischen Unterbreizbach in 700 Meter Tiefe. Ihre Leichen wurden nach Angaben der Landespolizeidirektion Erfurt am frühen Mittwochmorgen geborgen. Eine Obduktion soll die genaue Ursache für den Tod klären.

Die Männer im Alter von 24, 50 und 56 Jahren starben, als bei einer Routinesprengung in großer Menge Kohlendioxid explosionsartig freigesetzt worden war. Dabei gab es eine gewaltige Druckwelle. Vier Bergleute konnten aus der Grube gerettet werden.

Es handelt sich wahrscheinlich um das schwerste Grubenunglück seit 1989 in Deutschland. Bis auf weiteres ruhe die Arbeit in der Kaligrube, sagte ein Sprecher von K+S am Mittwoch. "Die Frühschicht ist am Morgen nicht eingefahren und wurde freigestellt." Experten sollen untersuchen, ob Schäden an technischen Einrichtungen in der Grube entstanden sind und wann weitergearbeitet werden kann.

Staatsanwaltschaft und Bergamt ermitteln. Ein K+S-Sprecher sagte am Mittwochmorgen dem Radiosender HR Info, dass nun selbstverständlich auch die Sicherheitsvorkehrungen überprüft würden. Einen solchen Vorfall unter Tage in dieser Dimension habe es beim Kalibergbau seines Wissens nach noch nicht gegeben.

Die vier Kumpel, die sich noch in Sicherheit bringen konnten, wurden ärztlich betreut. Zwei von ihnen befanden sich nach Unternehmensangaben am Dienstagabend weiter in Behandlung. Die Grubenfeuerwehr hatte mit schwerer Atemschutztechnik nach den drei vermissten Bergleuten gesucht, zu denen nach dem Gasaustritt kein Kontakt mehr bestand.

Laut Umweltminister Jürgen Reinholz (CDU) hatten die insgesamt sieben Bergleute ein Vorauskommando gebildet, das üblicherweise nach Sprengungen zuerst einfährt.

Thüringens Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht (CDU) reagierte mit großer Betroffenheit und Trauer: "Mein ganzes Mitgefühl gilt den Angehörigen der drei Bergleute, die heute ihr Leben verloren haben." Die saarländische Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) betonte: "Der Tod der drei Kumpel löst große Bestürzung und Betroffenheit aus."

Sprengungen unter Tage sind erforderlich, um die Kalisalze aus dem Gestein zu lockern. In Unterbreizbach erfolgte die Sprengung in einer Tiefe von 900 Metern. Das war 200 Meter unterhalb der Ebene, auf der sich die Bergleute bewegten. Die Sprengung hatte nach Angaben des Umweltministers eine riesige Gasblase im Gestein geöffnet.

Grubenunglück in Unterbreizbach

Die Region im Südwesten Thüringens nahe der Landesgrenze zu Hessen ist seit Jahrzehnten vom Kali-Bergbau geprägt. Das zum Kasseler Dax-Konzern K+S AG gehörende Unternehmen K+S Kali GmbH beschäftigt im Kali-Revier Werra nach eigenen Angaben 4370 Mitarbeiter, davon etwa 1000 auf Thüringer Seite. (dpa/rpp/mak)

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