Eine Analyse

K+S hat viele Baustellen – Die Entsorgung des Salzabwassers ist die größte

Gewaltig: der Monte Kali bei Heringen im Kreis Hersfeld-Rotenburg. Regenwasser spült permanent Salz aus der Abraumhalde. Das Abwasser wird gesammelt und muss entsorgt werden. Im Vordergrund ist die Gemeinde Widdershausen zu sehen. Archivfoto: Konopka.

Kassel. K+S erwartet für das Gesamtjahr einen massiven Gewinneinbruch und das ist nicht die einzige Baustelle des Konzerns. Eine Analyse der Lage.

Ungelöste Entsorgungsprobleme und damit verbundene drastische Produktionsdrosselungen im Werra-Revier, staatsanwaltschaftliche Ermittlungen gegen K+S-Vorstandschef Norbert Steiner und Aufsichtsratsvorsitzenden Ralf Bethke wegen der angeblich unerlaubten Versenkung von Salzabwasser in Thüringen, der anhaltende Verfall des Kali-Preises und nicht zuletzt eine Havarie im neuen Bergwerk Legacy in Kanada – der Kasseler Kali- und Salzproduzent kommt seit Monaten nicht aus den Negativschlagzeilen. Immerhin: Legacy wird wie geplant Ende dieses Monats in Betrieb gehen.

Und als ob das alles noch nicht reichte, kommen noch ein massiver Ergebniseinbruch und eine miese Jahresprognose hinzu – der ohnehin äußerste schwache Aktienkurs rauschte gestern mit einem Minus von 5,62 Prozent auf 18,74 Euro in die Tiefe.

K+S scheint derzeit alles um die Ohren zu fliegen, was möglich ist, und es ist nicht abzusehen, ob sich die Dinge am Ende zum Guten wenden. Am drängendsten ist die Entsorgungsfrage. Seit der Regierungspräsident (RP) die Versenkung von Salzabwasser in den Untergrund drastisch auf 725.000 Kubikmeter pro Jahr gesenkt hat, ist dieser Entsorgungsweg praktisch blockiert. Und wenn es dann noch – wie in den vergangenen Monaten – wenig regnet, sind auch dem zweiten Entsorgungsweg für die in der Produktion und in den Abraumhalden entstehenden Salzabwässer enge Grenzen gesetzt. Denn je niedriger der Wasserstand der Werra, desto geringer sind die erlaubten Einleitmengen.

Ob und wann der RP eine neue, dauerhafte Versenkgenehmigung erteilt, ist unklar und hängt von einem Computer-basierten Simulationsprogramm ab, das die Ausbreitung des versenkten Abwassers in den porösen Gesteinschichten prognostizieren soll. Das aber funktioniert derzeit nicht. Die Gewerkschaft IG BCE befürchtet, dass die Genehmigung nicht mehr – wie angekündigt – in diesem Sommer erteilt wird. Damit dürfte die seit Monaten anhaltende Kurzarbeit im Werra-Revier weiterlaufen.

Die zweite große Baustelle ist der stark gesunkene Kali-Preis. Binnen drei Jahren hat sich der Preis für Kaliumchlorid – das Standardprodukt der Branche – von 440 auf gut 200 Euro mehr als halbiert. Nordamerikanische Konkurrenten wie Potash, Mosaic und Agrium haben bereits Kapazitäten stillgelegt und Personal entlassen, um dem Preisverfall entgegenzuwirken.

Marktkenner befürchten, dass K+S mit Inbetriebnahme seines neuen Kalibergwerks in Kanada den Preisverfall noch beschleunigt, denn unter Vollllast kann es 2,7 Millionen Tonnen jährlich fördern.

Immerhin: Mit dem Erwerb von Lizenzen zum Bau eines großen Werks zur Gewinnung von Meersalz in Australien und dem Kauf eines kleinen Produzenten von Spezialdünger in China hat K+S in den vergangenen Wochen wichtige strategische Weichen gestellt.

Eines ist sicher: Wenn K+S-Chef Norbert Steiner im Mai nächsten Jahres aus dem Amt scheidet, hinterlässt er dem Neuen ein schweres Erbe. Als Nachfolger wird Finanzchef Dr. Burkhard Lohr gehandelt.

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